IV. KAPITEL. Vom Teufel und den Dämonen.
S. 50 Von diesen englischen Mächten hat sich der Fürst der die Erde umgebenden Rangklasse, dem von Gott die Bewachung der Erde übertragen war, der von Natur aus nicht böse, sondern gut und für das Gute geschaffen war, der durchaus keine Spur von Schlechtigkeit vom Schöpfer in sich gehabt, der jedoch das Licht und die Ehre, die ihm der Schöpfer geschenkt, nicht ertragen, durch freie Selbstbestimmung vom Naturgemäßen zum Widernatürlichen gewendet und sich gegen Gott, seinen Schöpfer, erhoben, in der Absicht, sich ihm zu widersetzen. Zuerst ist er vom Guten abgefallen, dann ist er ins Böse geraten. Das Böse ist ja nichts anderes als eine Beraubung des Guten, wie auch die Finsternis eine Beraubung des Lichtes ist. Denn das Gute ist ein geistiges Licht. Ebenso ist auch das Böse eine geistige Finsternis. Als Licht also war er vom Schöpfer geschaffen und gut — denn: „Gott sah alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut“ 1 —, durch freie Willensentscheidung ist er Finsternis geworden. Mit ihm riß sich eine unendliche Menge der ihm unterstellten Engel los, folgte ihm und fiel mit ihm. Obwohl sie also von derselben Natur sind wie die Engel, sind sie böse geworden, sie haben aus freien Stücken ihren Willen vom Guten zum Bösen gewendet.
Sie haben keine Macht und Gewalt über jemand, es müßte denn sein, daß sie ihnen von Gott aus Gründen der Heilsordnung eingeräumt würde, wie von Job 2 und wie von den Schweinen im Evangelium 3 geschrieben steht. Erhalten sie aber von Gott die Erlaubnis, dann haben sie die Macht, sie wandeln und ändern sich um und nehmen die Gestalt an, in der sie erscheinen wollen.
Das Zukünftige wissen zwar weder die Engel Gottes noch die Dämonen. Gleichwohl sagen sie es voraus. S. 51 Die Engel, wenn Gott es ihnen offenbart und vorherzusagen heißt. Deshalb trifft alles, was sie sagen, ein. Es sagen aber auch die Dämonen voraus, weil sie die fernen Ereignisse teils schauen, teils vermuten. Deshalb lügen sie auch häufig, man darf ihnen nicht glauben, auch wenn sie unter den genannten Umständen oft die Wahrheit sprechen. Sie kennen aber auch die Schriften.
Jegliche Bosheit ward von ihnen ersonnen und die unreinen Leidenschaften. Zwar wurde ihnen erlaubt, dem Menschen zuzusetzen, zwingen aber können sie niemand. Denn an uns ist es, den Angriff aufzunehmen oder nicht aufzunehmen. Deshalb ist dem Teufel und seinen Dämonen und seinen Anhängern das unauslöschliche Feuer und die ewige Strafe bereitet 4.
Man muß aber wissen: Was für die Menschen der Tod ist, das ist für die Engel der Abfall. Denn nach dem Abfall gibt es für sie keine Buße, so wenig wie für die Menschen nach dem Tode 5.
