15. Die Irrlehre ist kühn, aber undurchdacht.
Doch ihren ungläubigen Gluthauch vermag die irrlehrerische Fieberhitze nicht zusammenzuhalten.
Durch ihre Behauptung: „er war nicht, bevor er geboren wurde”, will sie dies durchsetzen, daß er aus dem Nicht-sein geboren wurde, d. h. daß er nicht von Gott dem Vater als Gott-Sohn in einer wahren und vollkommenen Geburt geboren wurde. Eben dadurch ließ sie bei der Fortführung der ganzen Darlegung bis zur letzten und unheiligsten Gier ihres ungläubigen Wahnes sich hinreißen; sagt sie doch: „denn wenn das ‚Aus ihm’1 und das ‚Aus dem Schoß’2 und das ‚Vom Vater her bin ich ausgegangen und gekommen’3 so aufgefaßt wird, als ob er einen Teil seines einen Seinsgehaltes und sozusagen als eine Erweiterung hinausdehne, dann wird der Vater nach ihrer Meinung zusammengesetzt und teilbar und veränderlich und körperhaft sein und, so wie sie es behaupten, mit den Folgerungen des Körperhaft-seins belastet sein, er, der unkörperliche Gott.”
Eine schwierige und mühevolle Arbeit würde es sein, die Wahrheit der Religion gegen einen falschen Unglauben zu schützen, wenn der Unglaube in demselben Maße klug vorginge, wie er waghalsig ist. Es fügt sich S. 281 aber trefflich, daß das Verlangen nach Unglauben aus Mangel an Einsicht entspringt. Wenn demgemäß die Erwiderung gegen die Torheit leicht ist, so ist doch die Besserung der Toren ein schwieriges Bemühen; von ihr wird zunächst einmal der Sinn der Erkenntnis nicht erstrebt, und dann, wenn er von einem Einsichtigen mitgeteilt wurde, wird er nicht erfaßt. Doch hoffe ich, daß diejenigen gewillt sind, sich bessern zu lassen, welche die Ehrfurcht vor Gott und das Nicht-wissen der Erkenntnis, nicht aber das Verlangen nach Unglauben durch die Denkweise der Torheit im Irrtum festgehalten hat. Denn der Aufweis der Wahrheit wird in jeder Hinsicht die Torheit des Unglaubens ans Licht stellen.
