50. Die Juden haben Christus als den Sohn Gottes gewußt, wenn sie auch nicht wußten, wer Christus sei. Die Arianer sind ärger gegen Christus als die Juden.
Was Christus sei, das lerne wenigstens von denen, die nicht wissen (wer es ist); deine Ungläubigkeit soll eben jenes notwendig geltende Bekenntnis derer ins Unrecht setzen, die über ihn in Unkenntnis sind.
Denn die Juden kannten Christus zwar nicht in seiner körperlichen Erscheinung. Aber sie wußten, daß der Christus Sohn Gottes sei. Als sie gegen ihn falsche Zeugen verwandten, ohne irgendeine wahre Behauptung zu erreichen, da fragt ihn der Priester: „Du bist Christus, S. 326 der Sohn des Hochgelobten?”1 Das Geheimnis (der Verwirklichung) kennen sie nicht, aber das Wesen kennen sie sehr wohl. Sie fragen auch nicht, ob Christus der Sohn Gottes sei, sondern ob dieser (Angeklagte) Christus, der Sohn Gottes, sei. Der Irrtum bezieht sich auf den Menschen, nicht auf den Sohn Gottes. Denn nicht darüber herrscht Zweifel, ob Christus der Sohn Gottes sei; und wenn er deswegen gefragt wird, ob er dieser (Christus) sei, so wird damit nicht abgestritten, daß Christus der Sohn Gottes sei.
Ich frage: auf welchen Glauben hin streitest du dasjenige ab, was nicht einmal diejenigen abstreiten, die ihn (in seiner Verwirklichung) nicht kennen? Denn da dies das vollkommene Wissen ist, von Christus zu wissen, daß er als Sohn Gottes vor aller Zeit Bestand hatte, und auch (als Sohn Gottes) aus der Jungfrau geboren sei, so haben sogar diejenigen, die um seine Geburt aus Maria nicht wußten, doch sehr um seine Gottessohnschaft gewußt. Und sieh nur zu, in was für eine Gemeinschaft jüdischer Ungläubigkeit du dich durch die Leugnung der Gottessohnschaft hineingebracht hast! Denn welchen Grund zur Verurteilung sie gegen ihn beigebracht haben, das bezeugen sie mit ihren Worten: „Nach dem Gesetz muß er sterben, weil er sich zum Sohn Gottes aufgeworfen hat.”2 Oder ist nicht auch das etwa der Vorwurf deines gottlosen Geredes, (daß du fragst,) warum er sich Sohn nenne, von dem du behauptest, er sei ein Geschöpf? Wegen seines Bekenntnisses als Gottessohn wird er als todesschuldig verurteilt: ich frage, was für ein Urteil du durch die Leugnung deiner Gottessohnschaft fällst? Denn sein Ausspruch mißfällt dir ebenso wie den Juden. Ich frage, ob du auch von ihnen in der Ansicht unterschieden bleibst, von denen du dich der Absicht nach nicht unterscheidest. Denn mit der gleichen Ungläubigkeit bestreitest du seine Gottessohnschaft: jene aber mit geringerer Schuld, wegen ihrer S. 327 Unkenntnis. Denn sie wissen zwar nicht um die Geburt des Christus aus Maria; wohl aber zweifeln sie nicht, daß der Christus Sohn Gottes sei. Du kannst nicht darüber in Unkenntnis sein, daß Christus aus Maria geboren sei, lehrst es aber trotzdem nicht, daß Christus der Sohn Gottes sei. Eben wegen ihrer Unkenntnis kann jenen noch mit Sicherheit das Heil zuteil werden, wenn sie glauben: dir aber ist jeder Zugang zum Heil schon verschlossen, der du abstreitest, worüber du nicht in Unkenntnis sein kannst. Denn du weißt sehr wohl, daß er Sohn Gottes ist; so sehr, daß du ihm den Namen als angenommener Sohn zubilligst, um lügnerisch zu behaupten, er habe als Geschöpf noch die weitere Benennung Sohn erhalten. Soviel an dir liegt, nimmst du das Wesen, würdest auch den Namen nehmen, wenn es dir freistünde. Weil es dir aber nicht freisteht, läßt du dem Namen nicht sein Wesen, damit er ja nicht wahrer Sohn Gottes sei, weil er Sohn heißt.
