28. Aus den Einwürfen der Irrlehrer wird das Wesen der Gottheit in Christus bestätigt.
An Hand der übrigen Aufstellungen des falschgläubigen Wahns mag die Antwort des Glaubens der Evangelien ihren Fortgang nehmen und eben damit sich verteidigen, womit sie bekämpft wird. Siegen soll sie mit den Waffen, die auf ihre Vernichtung abzielen, und die Worte des einen Geistes zugleich als die Lehre des einen Glaubens nachweisen.
Denn Christus ist auch nicht ein anderer, als der er gepredigt wurde: wahrer Gott; und er hat dauerndes Dasein in der Herrlichkeit des einen wahren Gottes; wie er sich bei dem Anschein der eignen Leugnung1 auf Grund des Gesetzes als Herrn bekannt hat,2 so hat er sich auch in den Evangelien als wahren Gott erwiesen, während man glaubt, daß er es nicht tue.3 Um ihn nicht als wahren Gott bekennen zu müssen, rechtfertigen sich die Irrlehrer nämlich mit diesem seinem Wort: „Das aber ist das ewige Leben, daß sie dich kennen, den alleinigen wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus.”4 Man glaubt nämlich, mit der Wendung: „dich, den alleinigen wahren Gott” trenne er sich von der Wirklichkeit Gottes, der als vereinzelter herausgestellt werde, da der alleinige wahre Gott nur die Deutung als vereinzelter S. 98 Gott zulasse. Und in Wahrheit: der Glaube der Apostel läßt nicht den Glauben an zwei Götter zu, da der Wirklichkeit des nämlichen Wesens Gottes nichts gleichgestellt werden darf, was dem Wesen des einen Gottes fremd ist. Es wird nämlich nicht ein Gott in der Wahrheit eines Gottes bestehen, wenn außerhalb des Wesens des einen wahren Gottes noch ein wahrer Gott Dasein hat, der andersartig und nicht vermöge der Geburt ihm wesensgleich ist.
