62. Nichts ist demjenigen verborgen, in dem alle Schätze des Wissens sind, wenn auch in Verborgenheit.
Paulus, der Völkerlehrer,1 duldet aber nicht unter uns diese Lehre eines falschgläubigen Irrtums, vom eingeborenen Gott anzunehmen, er habe etwas nicht gewußt; sagt er doch: „Hingestellt in Liebe, auf alle Reichtümer der Erfüllung der Erkenntnis hin, zur Erkenntnis des geheimnisreichen Gottes Christus hin, in dem alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen sind.”2 Der Gott Christus ist ein Geheimnis, und alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis sind in ihm verborgen. Einem Teil und der Gesamtheit kann es (das Verborgensein) aber nicht (in gleicher Weise) zukommen, weil man weder unter Teil das Ganze versteht, noch das Ganze die Deutung als Teil zuläßt. Wenn der Sohn den Tag nämlich nicht kennt, dann sind nicht alle Schätze der Erkenntnis in ihm; den Tag kennt er (aber) sehr wohl, da er alle Schätze der Kenntnis umschließt. Es gilt jedoch, dessen uns bewußt zu bleiben, daß jene Schätze der Erkenntnis in ihm verborgen sind, nicht aber wegen ihrer Verborgenheit nicht vorhanden seien. Denn wegen seines Gott-seins sind sie ihm inne; deswegen aber sind sie verborgen, weil er Geheimnis ist. Nicht verborgen und nicht unbekannt S. 141 ist uns aber das Geheimnis des Gottes Christus, in dem alle Schätze der Erkenntnis verborgen sind.
Weil er Geheimnis ist, wollen wir zusehen, ob er darüber in Unwissenheit sei, was er nicht kennt. Wenn nämlich in den übrigen Aussprüchen das Eingestehen des Nichtwissens die Deutung als Nichtkennen nicht zuläßt, dann ist er auch jetzt nicht über dasjenige in Unwissenheit, was er nicht kennt. Mit Hinblick darauf, daß alle Schätze der Erkenntnis in ihm verborgen sind, ist nämlich sein Nichtwissen mehr eine freigewollte Entschließung als ein Nichtwissen: damit hat man den Sinn des Nichtwissens ohne die Deutung als Nichtkennen.
