23. Einiges gibt es, das ein Mensch nicht sofort begreift.
S. 253 Der Apostel, nicht von Menschen noch durch einen Menschen, sondern durch Jesus Christus als der Lehrer der Heiden1 erwählt, legt die Geheimnisse der göttlichen Fügungen mit aller ihm nur möglichen Genauigkeit eindeutiger Sprechweise dar. Er, der bis zum dritten Himmel entrückt wurde und Unaussprechliches gehört hatte,2 hat dem Sinn menschlicher Einsicht nur dasjenige geoffenbart, dessen das Menschenwesen mächtig ist. Trotzdem wußte er sehr wohl, daß einiges nicht sofort eingesehen werden könne, sobald man es hört, weil unsere Schwachheit nur allzu spät zu einem wahren und unbezweifelbaren Geistesurteil dasjenige annimmt, was das Hören vernimmt. Längere Weile ist nämlich dem Nachdenken als dem Hören zur Besinnung gelassen, da das Hören zur Stimme gehört, das Einsehen zur Vernunft, Gott aber den Einsichtbeflissenen die Einsicht offenlegt. Er schrieb nämlich sehr vieles an Timotheus, der von Kindheit an durch den rühmlichen Glauben der Großmutter und Mutter in der heiligen Wissenschaft unterrichtet worden war;3 dabei fügte er auch dies bei: „Sieh ein, was ich sage; Gott wird dir nämlich in allem Einsicht geben.”4
Die Mahnung zum Einsehen entspringt der Schwierigkeit der Einsicht. Gottgegebene Einsicht ist aber Gabe des Glaubens, durch den die Schwachheit der Erkenntnis die Gnade der Offenbarung verdient. Wenn also Timotheus, Mann Gottes nach des Apostels Zeugnis5 und Pauli rechtmäßiger Sohn gemäß dem Glauben,6 zur Erkenntnisbemühung gemahnt wird, weil in allem Gott ihm Einsicht geben werde, so sollen auch wir dessen eingedenk bleiben, vom Apostel zur Erkenntnisbemühung gemahnt zu werden, in dem Bewußtsein, daß Gott uns die Erkenntnis von allem verleihen werde.
