10. Über die beste Erforschung der Wahrheit.
Ich erinnere mich nemlich aus jener Zeit, in welcher mich meine Jugend noch anwies, mich der Gesellschaft der Brüder anzuschließen, daß uns oft sowohl in der Sittenlehre als in den hl. Schriften eine solche Einsicht eingegeben wurde, daß wir Nichts für wahrer, Nichts für vernünftiger hielten als gerade diese. Wenn wir aber dann zusammenkamen und anfiengen, unsere Meinungen auszusprechen, da wurde Manches, nachdem es in gemeinsamer Prüfung durchgenommen war, zuerst von einem Andern als falsch und gefährlich bezeichnet und bald darauf durch gemeinsames Urtheil als verderblich erklärt und verworfen. Das war nun vorher vom Teufel eingegeben worden und hatte in solchem Lichte geleuchtet, daß es leicht Zwietracht hätte erzeugen können, wenn wir nicht von allem Streiten wären abgehalten worden durch ein von den Vätern gegebenes Gebot, das wie ein göttlicher Wahlspruch beachtet wurde, und in welchem gesetzlich von jenen vorgeschrieben war, daß Keiner von uns mehr seinem eigenen Urtheile als dem des Bruders glauben solle, wenn er nie durch die Schlauheit des Teufels wolle bethört werden.
