8. Von den eigenthümlichen Schätzen, in welchen die Schönheit oder die Häßlichkeit der Seele besteht.
Wir müssen uns also anhaltend bemühen, daß auch S. a367 unser innerer Mensch den Vorrath an Lastern, den er in seinem frühern Wandel aufgehäuft hat, ganz abwerfe und so auseinanderreisse, was uns an Leib und Seele beständig anhängt und so recht unser Eigenthum ist, ja, was uns, wenn wir es nicht in diesem Leibesleben abthun und wegreissen, auch nach dem Tode noch stets begleiten wird. Denn wie die Tugenden, welche wir in dieser Lebenszeit erworben haben, oder gerade die Liebe, die ihre Quelle ist, wie sie ihren Liebhaber auch nach dem Ende dieses Lebens schön und herrlich machen: so senden die Laster den Geist gleichsam mit häßlichen Farben geschwärzt und befleckt in jenen ewigen Aufenthalt. Denn die Schönheit oder Häßlichkeit der Seele wird durch die Beschaffenheit der Tugenden oder Laster erzeugt. Eine gewisse von diesen angenommene Farbe macht jene entweder glänzend und schön, daß sie vom Propheten hören darf: „Es wird der König nach deiner Schönheit verlangen;“ oder aber schwarz, übelriechend, ungestalt, so daß sie selbst den Pesthauch ihres Geruches eingesteht und sagt: 1 „Faul sind geworden meine Wunden und vereitert ob meiner Thorheit.“ Der Herr selbst sagt zu ihr: „Warum ist nicht verbunden die Wunde der Tochter meines Volkes?“ 2 Also das sind unsere eigensten Reichthümer, die der Seele stets verbleiben, und die uns kein König und kein Feind geben oder nehmen kann! Das ist unser wirklicher Besitz, den nicht einmal der Tod von der Seele wird scheiden können, und durch dessen Hingabe wir zur Vollkommenheit gelangen können, wie uns sein Festhalten der Strafe des ewigen Todes überliefert.
