27. Die heilige Schrift belehrt den Ordensmann, daß er Nichts von dem einmal aufgegebenen Gute wieder an sich bringen darf.
Wenn du also aus Verlangen nach Vollkommenheit Alles verlassen hast und Christo gefolgt bist, der zu dir spricht:1 „Gehe hin, und verkaufe Alles, was du hast, und gib es den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben,“ und: „Dann komme und folge mir nach“; warum legst du dann die Hand auf den Pflug und schaust hinter dich, so daß du, wie der Herr wiederum sagt, des Himmelreiches unwürdig erachtet wirst?2 Warum steigst du von dem Dache der evangelischen Vollkommenheit herab, um S. 172 Etwas aus deinem Hause zu holen,3 d. h. von Dem, was du ehemals verachtet hast? Stehest du auf dem Arbeitsfelde der Tugenden, warum willst du dich wieder mit den Gütern der Welt umkleiden, deren du dich freiwillig beraubt hast? Wenn dir aber die Armuth zuvorgekommen ist, so daß du Nichts zu verlassen hattest, so darfst du noch viel weniger erstreben, was du vorher nicht besessen hast. Denn deßwegen erhieltest du durch die Güte des Herrn eine solche Vorbereitung, damit du um so freier ihm entgegen eilen solltest, da dich keine Schlingen des Geldes hinderten. Jedoch lasse Keiner den Muth sinken, wenn er auch hierin arm ist. Denn es gibt Niemanden, der nicht Etwas zu verlassen habe. Allen Gütern der Welt hat nur Der entsagt, der auch die Neigung zum Besitze derselben mit der Wurzel ausgerottet hat.
