8. Von dem Zorne gegen uns selbst.
Wir sollen also zu unserm Heile zürnen, und zwar gegen uns selbst und die an uns herantretenden bösen Einflüsterungen; dabei sollen wir nicht sündigen, d. h. diese Einflüsterungen zu keiner sündhaften Wirkung gelangen lassen. Eben diesen Sinn erklärt auch der folgende Vers1 noch deutlicher: „Was ihr in euren Herzen sprechet, bereuet auf euren Lagerstätten,“ d. h. was ihr immer in euren Herzen durch plötzlich sich herandrängende verführerische Anreizungen denken möget, verdränget durch weisen Rath allen Lärm und alle Verwirrung des Zornes, als läget ihr auf einem Ruhebette, und bessert diese bösen Gedanken gründlich durch eine recht heilsame Zerknirschung. Endlich beruft sich der heilige Apostel auf diesen Vers, indem er den Worten: „Zürnet, doch sündiget nicht,“ jene beifügt: „Die Sonne gehe nicht unter über eurem Zorne, noch gebet Raum dem Teufel!“2 Wenn es sündhaft ist, daß über unserm Zorne die Sonne der Gerechtigkeit untergehe, und wir durch unsern Zorn sofort dem Teufel Raum in unserm Herzen geben, wie kann er weiter oben uns zürnen heissen, indem er spricht: „Zürnet, doch sündigt nicht“? Sagt er damit nicht offenbar: „Seid erzürnt auf eure Sünden und euren Zorn, damit S. 183 nicht in Folge euerer Nachsicht gegen dieselbe die Sonne der Gerechtigkeit, Christus, für euren durch Zorn verdunkelten Geist unterzugehen anfange und, wenn sie scheidet, ihr dem Teufel Raum in euren Herzen gebet“?
