5. Daß durch körperliches Umherschweifen die Angst des Herzens schwerer statt leichter werde.
Es ist nun kein Wunder, wenn Einer, der in der Zelle bleibt, wo die Gedanken gleichsam in dem engsten Verschlusse gesammelt sind, fast erstickt wird von der Menge der Ängste, die aber, sobald sie mit dem Menschen aus dem Gefängnisse der Wohnung hervorbrechen, wie zügellose Pferde überall umherfliegen. Für den Augenblick nun, so lange sie wie aus Ställen hinauseilen, schöpft man irgend einen kurzen und traurigen Trost. Wenn nun aber der Körper in die eigene Zelle zurückgeht und die ganze Schaar der Gedanken wieder wie zum Sitzen kommt, so erregt der Genuß der eingewurzelten Freiheit nur ärgere Stacheln. Wenn also bei Jenen, welche mit den Reizungen ihrer Triebe noch nicht kämpfen können oder wollen, der Überdruß die ungewohnte Brust heftiger angreift, so daß sie in der Zelle voll Angst sind und nun mit Nachlaß der stren- S. b393 gen Regel sich öfter die Freiheit erlauben, herauszugehen, so werden sie sich durch dieses vermeintliche Mittel nur eine ärgere Pest aufwecken, wie ja auch Manche glauben sie könnten durch einen Schluck sehr kalten Wassers die Gewalt des innerlichen Fiebers dämpfen, während im Gegentheile feststeht, daß dieß Feuer hindurch mehr entflammt als beruhigt werde, und so auf die augenblickliche Erleichterung eine um so heftigere Bedrängniß folgt.
