9. Über den Verstand Dessen, der richtig fragt.
Daniel: Es ist Sache des Verstandes, die Theile und Umrisse der Fragen zu unterscheiden, und der größte Theil des Verständnisses ist schon erreicht, wenn man weiß, wo es noch fehlt. Deßhalb heißt es: „Dem unwissenden Frager wird Weisheit zugeschrieben.“ 1 Denn obwohl der Fragende die Bedeutung der vorgelegten Frage nicht kennt, S. a393 so wird ihm doch gerade seine kluge Frage und die Einsicht, daß er nicht einsieht, als Weisheit angerechnet, eben weil er klug erkannt hat, wo es ihm fehle. Nach eurer Theilung also scheinen von dem Apostel an dieser Stelle drei Punkte genannt zu werden, das Begehren des Fleisches wider den Geist und des Geistes wider das Fleisch, deren gegenseitiger Kampf als Ursache und Grund zu haben scheint, daß wir nicht Das sollen thun können, was wir wollen. Es ist also ein Viertes noch vorhanden, was ihr gar nicht bemerkt habt, nemlich die Ursache, daß wir Das thun, was wir nicht wollen. Wir müssen also zuerst die Bedeutung der beiden Begierden, also des Fleisches und Geistes, erkennen und werden dann zu untersuchen vermögen, was es um unsern Willen sei, der zwischen beiden liegt; endlich werden wir gleichfalls unterscheiden, was nicht Sache unseres Willens sein könne.
Sprüchw. 17; anders die Vulgata. ↩
