8. Unruhig ist nothwendig Jeder, welcher in der Handarbeit keine Befriedigung finden will.
„Wir (der Apostel und seine Begleiter) lebten nicht in Unruhe unter euch.“1 Dadurch, daß er gearbeitet, will der Apostel beweisen, daß er kein unruhiges Leben unter ihnen geführt habe. Hiedurch gibt er deutlich zu verstehen, daß Diejenigen, welche nicht arbeiten wollen, in Folge des Müssiggangs stets in Unruhe seien. „Und nicht haben wir umsonst Brod bei Jemandem gegessen.“2 Mit jedem einzelnen Worte erweitert der Völkerapostel seine Auslegung. Nicht umsonst habe er Brod bei Jemandem gegessen, sagt S. 211 der Verkünder des Evangeliums, der doch des Herrn Gebot kennt, daß, wer das Evangelium verkünde, auch von dem Evangelium leben solle,3 und jenes andere Wort: „Werth ist der Arbeiter seines Unterhaltes.“4 Wenn also der Verkündiger des Evangeliums bei der Ausübung eines so erhabenen und geistigen Werkes keinen Anspruch auf freiwillige Spendung des Unterhaltes machte, obwohl er, gestützt auf des Herrn Gebot, es gekonnt hätte: was werden wir thun müssen, die wir nicht mit der Verkündigung des Evangeliums betraut sind, sondern einzig nur für unser Seelenheil besorgt sein sollen? Mit welcher Zuversicht werden wir mit müßigen Händen und umsonst das Brod zu essen wagen, welches das Gefäß der Auserwählung (der heilige Paulus), obwohl mit der Sorge und Predigt des Evangeliums beschäftigt, ohne es mit seiner Hände Arbeit erworben zu haben, nicht zu essen wagt? „Vielmehr unter Anstrengung und Ermüdung,“ sagt er, „waren wir Tag und Nacht thätig, um Keinem von euch lästig zu sein.“ Er treibt seine Züchtigung noch viel weiter. Denn nicht sagt er einfach: „nicht essen wir Brod umsonst von euch,“ um hierbei stehen zu bleiben. Es konnte nämlich den Anschein haben, als habe er von seinen eigenen und zwar nicht durch Arbeit errungenen Mitteln und von verborgenem Gelde oder auch von Beiträgen und Geschenken Anderer, wenn auch nicht gerade dieser Christen gelebt. „Vielmehr unter Anstrengung und Ermüdung,“ sagt er, „waren wir Tag und Nacht thätig,“ d. h. wir lebten im eigentlichen Sinne von unserer Arbeit. Und Das, sagt er, vollbrachten wir nicht nach unserm eigenen Willen und zur Erholung, wie es das Bedürfniß nach Ruhe und die körperliche Anstrengung wünschte, sondern wie die Noth und der Mangel an Lebensmitteln nicht ohne große körperliche Ermüdung uns dazu drängte. Denn nicht nur den ganzen Tag hindurch, sondern auch zur Nachtzeit, die der Ruhe des Leibes gewidmet scheint, betrieben wir S. 212 unaufhörlich diese Arbeit zur Beschaffung unseres Lebensunterhaltes.
