21. Verschiedene Aussprüche Salomons gegen die Trägheit.
Dieses Laster des Müssiggangs brandmarkt vielfach und ganz offen auch der weise König Salomon, indem er spricht:1 „Wer dem Müssiggange nachgeht, wird mit Armuth erfüllt werden,“ mit leiblicher nämlich und mit geistiger, die jeden Trägen und in verschiedene andere Laster versunkenen Menschen erfassen muß und ihn fernhält von der Betrachtung Gottes und den geistigen Reichthümern, von denen der heilige Apostel sagt:2 „Denn in Allem wurdet ihr reich in ihm, in jeglichem Worte und jeglicher Erkenntniß.“ Von dieser Armuth des Müssigen aber heißt es auch an einer andern Stelle:3 „Und es wird bekleidet werden mit einem zerlumpten und zerrissenen Tuche jeder Schläfrige.“ Denn ohne Zweifel wird er nicht mit jenem unversehrten Kleide geschmückt zu werden verdienen, bezüglich dessen der Apostel befiehlt:4 „Ziehet den Herrn Jesum Christum an;“ und wiederum:5 „Bekleidet mit dem Panzer der Gerechtigkeit und Liebe,“ und von dem der Herr zu Jerusalem durch den Propheten6 spricht: „Erhebe dich, erhebe dich, Jerusalem, ziehe an die Kleider deiner Herrlichkeit!“ Wer immer, von dem Schlafe des Müssiggangs und der Trägheit überwältigt, nicht mit dem Werke seines Fleisses, sondern lieber mit den Lumpen der Trägheit sich bedecken will, die er abreißt von der vollkommenen Fülle und dem Leibe der heiligen Schriften, der begehrt nicht das Kleid der Herrlichkeit und Zierde, sondern die schmähliche Hülle der Entschuldigung für seine Trägheit. Denn Diejenigen, welche, durch diese Trägheit erschlafft, sich nicht von S. 222 der Arbeit ihrer Hände nähren wollen, was doch der Apostel that und uns zu thun befahl, bedienen sich stets einiger Stellen der heiligen Schrift, vermittelst welcher sie einen Schleier über ihre Trägheit werfen, indem sie sagen, es sei geschrieben:7 „Bemühet euch nicht um eine vergängliche Speise, sondern um jene, die bleibt für’s ewige Leben;“ und:8 „Meine Speise ist, daß ich den Willen meines Vaters thue.“ Allein Das sind nur einige Lappen von der Fülle des Evangeliums, die man zu diesem Zwecke anlegt, um damit mehr die Schmach seines Müssigganges und seiner Schande zu bedecken, als um sich zu erwärmen und zu schmücken mit jenem kostbaren und vollkommenen Gewande der Tugenden, welches in den Sprichwörtern9 jene kluge mit Stärke und Ruhm bekleidete Frau nach der dort von ihr entworfenen Schilderung sich und ihrem Manne gemacht hat, von der es auch weiter heißt: „Mit Stärke und Ruhm ist sie bekleidet, und sie freute sich in ihren letzten Tagen.“ ― Dieser Krankheit der Faulheit gedenkt Salomon wiederum in folgender Weise:10 „Die Wege Derer, welche Nichts thun. sind mit Dornen bestreut,“ d. h. mit jenen und ähnlichen Sünden, welche, wie der Apostel in den angeführten Stellen sagt, aus dem Müssiggange emporsprossen. Und wiederum11 sagt Salomon: „In Gelüsten ist jeglicher Müssiggänger.“ Diese Gelüste erwähnt der Apostel12 mit den Worten: „Und daß ihr von Niemandem Etwas begehrt;“ und zuletzt:13 „Vieles Böse hat der Müssiggang gelehrt.“ Klar hat Dieses der Apostel in unserer obigen Auseinandersetzung14 also aufgezählt: „Nichts arbeitend, sondern aus Neugierde handelnd.“ An diesen Fehler reihte er noch einen andern: „Und befleisset euch eines ruhigen Lebenswandels;“ und dann: „Verrichtet eure Geschäfte und führet einen wohlanständigen Wandel vor Denen, welche draussen sind, und S. 223 wollet von Niemandem Etwas begehren!“ Er bezeichnet sie als Ungeordnete und Empörer, indem er allen Fleissigen befiehlt, sich von ihnen zu trennen: „Haltet euch fern,“ sagt er, „von jeglichem Bruder, der einen unordentlichen und der von uns empfangenen Überlieferung nicht entsprechenden Wandel führt!“
