19.
So sind die schlechten Sitten und der schädliche Same des Unkrautes; denn speziell von Natur ist der Schlechte nicht schlecht, und der Gute nicht gut; sondern im Sinne hat er, gut und schlecht zu werden; denn durch die Liebe Gottes zu lieben das Gutes und zu hassen das Böse, darin wird der Gute bestärkt; und zu hassen das Gute und zu lieben das Schlechte, das ist schlecht; zu eifern mit den Guten und gut zu werden, das ist gut; und mit den Schlechten, das ist schlecht; aber das Streben ist dasselbe. Ebenso ist es auch in Bezug auf alles Gute und Schlechte zu verstehen vom Eifer und von der Begierde. Denn der gütige Herr Aller hat das Gute in die Menschen gesäet und es dem freien Willen überlassen, ob sie im Guten oder im Schlechten überleben wollen, durch die Tugend im Schmucke der Frömmigkeit, oder mit Freuden in der beständigen Zuneigung zum Bösen. Die Lenkerin der guten Sitten ist die Gottesliebe und die Bruderliebe; denn die Liebe denkt nicht Schlechtes; aber für die Bösen ist die Gottlosigkeit und die Selbstliebe Lenkerin, nach dem Worte des Apostels die Entfremdung von Gott und das Vollziehen des Willens des Fleisches und des Verstandes, zu werden ein Kind des Zornes.1 Und hinwiederum sagt er: „ Nicht ich lebe, sondern Christus lebt in mir,“2 das ist der Wille Christi, die S. 66 Gerechtigkeit, Heiligkeit, Wahrheit. Und wiederum sagt er: „Weinend nenne ich sie Feinde des Kreuzes Christi, und ihr Ende ist Verderben, welche nur auf das Irdische denken und reden und thun das Böse, erfüllt mit aller Ungerechtigkeit und wilden Lastern.“3 Aber anstatt des Bösen das Gute zu thun, das ist der Kronen und des Ruhmes und der Ehre würdig mit den Heiligen.
