2. Wie die Gesandten Chilperichs vom Orient zurückkehrten
Inzwischen kehrtm die Gesandten König Chilperichs, die er drei Jahre zuvor an den Kaiser Tiberius abgeschickt hatte, zurück, doch nicht ohne große Beschwerden und Gefahren. Denn da sie wegen der Zwistigkeiten der Könige in den Hafen S. 110 von Marseille nicht einzulaufen wagten, fuhren sie nach Agde, einer Stadt im Gebiete der Goten. Ehe sie jedoch noch das Ufer erreichten, faßte der Wind ihr Schiff, dieses strandete und ging in Trümmer. Die Gesandten ergriffen, da sie sich in solcher Gefahr sahen, gleich ihren Dienern, Planken und gelangten nur mit Mühe an das Ufer. Biele von ihrem Gefolge verloren sie, aber die meisten kamen mit dem Leben davon. Ihrer Habseligkeiten, welche die Wellen an das Gestade trieben, bemächtigten sich die Einwohner des Ortes(1) sie bekamen freilich die besseren Stücke zurück und überbrachten sie König Chilperich, vieles behielten jedoch auch die von Agde.
Ich hatte mich damals nach dem Hofe Nogent(2) begeben, um daselbst den König zu begrüßen. Dort zeigte er mir ein großes Tafelgerät, das aus Gold und Edelsteinen gearbeitet war, fünfzig Pfund schwer, und sagte: „Ich habe es zum Ruhme und Glanze des Frankenvolks anfertigen lassen, und ich werde bei längerem Leben noch mehr der Art machen lassen." Er zeigte mir auch Goldstücke, jedes ein Pfund schwer, welche ihm der Kaiser schickte, auf der einen Seite war das Bild des Kaisers, und im Kreise darum standen die Worte: TIBERII CONSTANTINI PERPETUI AVGVSTI, auf der ändern Seite hatten sie ein Viergespann und einen Wagenlenker und es stand darauf zu lesen: GLORIA ROMANORUM. Er zeigte mir auch noch viele andere Kostbarkeiten, welche die Gesandten überbracht hatten.
