30. Vom Tode des Kaisers Tiberius
In diesem Jahre1 verließ auch der Kaiser Tiberius die Welt und ließ sein Volk in großer Trauer über seinen Tod zurück. Denn er war äußerst gütig, unermüdlich im Wohltun, ein gerechter und in seinem Urteil sehr besonnener Fürst, niemanden hielt er gering, sondern umfaßte alle mit gleicher Güte, und da er alle liebte, wurde er von allen geliebt. Ms er aber krank ward und sah, daß sein Leben nicht mehr lange dauern würde, rief er die Kaiserin Sophia2 zu sich und sprach : „Siehe, ich fühle, daß meine Lebenszeit abgelaufen ist, daher will ich jetzt mit deinem Beirat den Mann wählen, der an der Spitze des Staates nach mir stehen soll. Es bedarf aber der Wahl eines Tüchtigen, der solche Machtstellung verwalte." Sie nannte ihm darauf einen gewissen Mauritius und sprach: „Tüchtig und verständig ist dieser Mann, auch hat er schon öfters gegen die Feinde des Staats gefochten und gesiegt." Sie sagte dies aber, weil sie sich nach seinem Tode mit diesem Manne zu vermählen gedachte. Als aber Tiberius so gehört hatte, wie die Kaiserin den Vorschlag machte ihn zu wählen, ließ er seiner Tochter allen kaiserlichen Schmuck änlegen und Mauricius rufen und sprach zu ihm: „Siehe, auf den Vorschlag der Kaiserin Sophia wirst du zur Herrschaft gewählt, daß diese dir aber um so fester gegründet sei, will ich dir meine Tochter zur Ehe geben." Die Jungfrau trat heran, der Vater übergab sie dem Mauricius und sprach: „Mit dieser Jungfrau übertrage ich dir die Herrschaft, herrsche glücklich und vergiß nie, an S. 153 Billigkeit und Gerechtigkeit deine Freude zu haben." Jener emp-fing die Jungfrau und führte sie in sein Haus heim. Ms aber die Hochzeitsfeier vorüber war, starb Tiberius. Nachdem die Geschäftsstille(1) verflossen war, bekleidete sich Mauritius mit dem Diadem und mit Purpur und köstlicher Leinwand(2) und begab sich in den Zirkus(3) Dort empfing er den Huldigungsruf, teilte unter das Volk Geschenke aus und wurde in der Herrschaft bestätigt.
