24. Von den Rachstellungen gegen Bischof Theodorus
Abermals erhoben sich neue Feindseligkeiten gegen den Bischof Theodorus(3). Es kam nämlich damals Gundovald, der sich für einen Sohn König Chlothars ausgab, von Konstantinopel zurück und landete zu Marseille. Hier aber wird es gut sein, über die Vorgeschichte dieses Mannes einiges zu bemerken.
Er war in Gallien geboren und sorgfältig erzogen, die Haarlocken ließ man ihm nach der Sitte der fränkischen Könige auf den Rücken herabwallen(4) und unterwies ihn in den Wissenschaften. Als er so herangewachsen war, stellte ihn seine Mutter König Childebert(5) vor und sprach: „Siehe, das ist dein Neffe, der Sohn König Chlothars, und da ihn sein Vater nicht leiden kann, nimm du dich seiner an, er ist ja von deinem Blut." Da Childebert selbst keine Söhne hatte, nahm er ihn an und behielt ihn bei sich. König Chlothar aber schickte, als ihm dieses gemeldet wurde, Boten an seinen Bruder und sprach: „Laß den Knaben ziehen und schicke ihn zu mir." Da sandte dieser sofort den Jüngling an seinen Bruder. Als Chlothar ihn aber sah, befahl er, ihm die Locken abzuscheren und sprach: „Den habe ich nicht gezeugt." Nach Chlothars Tode fand er bei König Charibert Aufnahme. Dann ließ ihn aber König Sigibert zu sich kommen, schnitt chm abermals die S. 145 Locken ab und verbannte ihn nach der Stadt der Agrippina, die jetzt Köln genannt wird(1). Hier entkam er, ließ sich von neuem das Haar wachsen und begab sich zu Narses, der damals in Italien gebot(2). Er nahm hier ein Weib, mit dem er mehrere Kinder zeugte und ging dann nach Konstantinopel. Von dort kehrte er nach langer Zeit, wie man erzählt, auf die Einladung einer gewissen Person(3), nach Gallien zu kommen, zurück und landete zu Marseille, wo er bei Bischof Theodorus Aufnahme fand. Von diesem erhielt er Pferde und begab sich zu Herzog Mummolus. Mummolus aber hielt sich damals, wie wir bereits erzählt Haben(4) zu Avignon auf.
Darauf nahm Herzog Gunthramn(5) den Bischof Theodorus fest und warf ihn wegen dieser Sache in dm Kerker, indem er ihn zur Rede stellte, daß er einen Fremdling in Gallim ausgenommen hätte und so das fränkische Reich unter die Herrschaft der griechischen Kaiser habe bringen wollen(6). Jener wies aber, wie man erzählt, einen Brief vor, der von den Großen König Childeberts geschrieben war, und sprach: „Ich habe nichts für meinen Kopf getan, sondern nur was mir meine Herren und Vorgesetzten geboten haben." Der Bischof wurde darauf in einer Zelle bewacht und durfte die Kirche nicht betreten. Als er aber einst in der Nacht inbrünstig zum Herrn betete, wurde die Zelle S. 146 von einem Hellen Glanze erleuchtet, so daß der Hauptmann, welcher ihn bewachte, gewaltig erschrak, und über dem Haupte des Bischofs sah man zwei Stunden lang eine Kugel, die hatte einen unendlichen Lichtglanz. Am Morgen erzählte dies der Hauptmann den übrigen, die bei ihm waren. Sodann wurde Theodorus zu König Gunthramn gebracht und mit ihm der Bischof Epiphanius(1), der damals, vor den Langobarden flüchtig, zu Marseille sich aufhielt, denn auch er sollte um diese Sache gewußt haben. Sie wurden nun vom Könige zur Untersuchung gezogen, aber keines Verbrechens schuldig befunden. Dennoch befahl der König sie in Haft zu halten, und in derselben starb Epiphanius nach vielen Leiden. Gundovald zog sich hierauf auf eine Insel im Meere zurück und wartete dort den Ausgang der Sache ab. Herzog Gunthramn und der Herzog König Gunthramns teilten sich aber in die Schätze Gundovalds, und Herzog Gunthramn brachte, wie man erzählt, eine unermeßliche Menge an Silber, Gold und anderen Sachen nach Arvern.
