7. Childebert verlang Fredegundens Auslieferung
Und als sie den König verlassen hatten, kamen abermals Gesandte von Childebert zu ihm, verlangten die Aus lieferung der Königin Fredegunde und sprachen: „Liefere jenes blutdürstige Weib aus, das meine Muhme(4) getötet, meinen Vater(5) und meinen Oheim(6) ermordet und überdies meine Vettern(7) durch das Schwert hat umkommen machen." Aber jener sprach: „Auf der Tagfahrt, die wir halten, wollen wir über dies alles beschließen und bestimmen, was zu tun ist." Denn er ließ Fredegunde seinen Schutz angedeihen, lud sie öfters zum Mahle und versprach, sie auf alle Weise zu verteidigen. Eines Tages aber, als sie mitsammen beim Mahle S. 197 saßen, erhob sich die Königin und verabschiedete sich. Der König wollte sie zurückhalten und sprach zu ihr: „Iß noch ein wenig." Darauf antwortete sie ihm: „Entschuldige mich, ich bitte dich, mein Herr, denn es treibt mich nach der Gewohnheit der Weiber aufzustehen, um der Frucht meines Leibes willen." Ta er dies hörte, verwunderte er sich, da er wußte, daß es erst der vierte Monat war, seit sie einen Sohn geboren hatte, aber er ließ sie dennoch aufstehen.
Die Großen aber in Chilperichs Reich, Ansoald(1) und die übrigen, sammelten sich um seinen Sohn, der, wie eben gesagt wurde, erst vier Monate alt war, den sie Chlothar nannten, und ließen in allen Städten, die vordem Chilperich gehört hatten, König Gunthramn und seinem Neffen Chlothar den Eid der Treue schwören. König Gunthramn gab jedoch alles, was die Dienstleute König Chilperichs widerrechtlich verschie-denen genommen hatten, nach Recht und Billigkeit diesen zurück; vieles schenkte er den Kirchen und setzte auch die Testamente Verstorbener, welche die Kirchen zu Erben bestimmt hatten, nachdem jene von Chilperich aufgehoben worden waren(2), wieder in Kraft; vielen bewies er sich gnädig und teilte reiche Geschenke unter die Armen aus.
