9. Rigunthe von Desiderius ihrer Schätze beraubt
Indessen kam Rigunthe, König Chilperichs Tochter, mit ihren Schätzen, von denen oben die Rede war(2), bis nach Toulouse, und da sie sah, daß sie der Grenze der Goten nahe war, fing sie an die Fortsetzung der Reise zu verzögern. Überdies redeten ihr auch ihre Leute dazumal zu, sie müsse sich hier ein wenig aufhalten, da sie selbst von der Reise er-müdet, ihre Kleider abgetragen und ihre Schuhe zerrissen seien, auch sei der Schmuck für die Pferde und Wagen, da er mit dem Gepäck nachgesandt war, noch nicht zur Stelle und instand gesetzt; man solle lieber dies alles erst mit allem Fleiß instand setzen und dann die Reise fortsetzen, um in vollem Glanze von ihrem Bräutigam empfangen zu werden, damit sie nicht etwa, wenn sie abgerissen zu den Goten kämen, von diesen verhöhnt würden. Als sie nun aus diesen Gründen sich verweilten, kam die Nachricht von Chilperichs Tode zu den Ohren des Herzogs Desiderius(3) Da sammelte er ent- S. 199 schlossene Männer um sich, überfiel mit diesen die Stadt Toulouse, nahm der Prinzessin(1) alle Schätze, die er bei ihr fand, und brachte dieselben in ein Haus, das er mit Siegeln verschloß und durch eine Wache von verlässigen Männern sicherte. Der Prinzessin wies er nur kärglichen Lebensunterhalt an, bis er nach Toulouse zurückkehren würde.
