14. Von den Gesandten Childeberts an Gunthramn
Als nun die Tagfahrt herankam, wurden von König Childebert an König Gunthramn der Bischof Egidius, Gunthramn Boso, Sigivald und viele andere abgesandt. Und als sie vorgelassen waren, sprach der Bischof: „Wir danken Gott dem Allmächtigen, teuerster König, daß er dich nach vielen Drangsalen in deine Lande und dein Reich wieder eingesetzt hat." Der König aber sprach zu ihm: „Ja, ihm ist mit Recht zu danken, dem König der Könige, dem Herrn der Herren, der sich in seinem Erbarmen herabgelassen hat, solches zu vollführen; nicht aber dir, durch dessen arglistigen Rat und dessen Treulosigkeit im vorigen Jahre meine Länder verwüstet worden sind(2), der du keinem Menschen jemals Treu und Glauben gehalten hast, dessen Ränke allerorten kund sind und der sich nicht wie ein Priester, sondern wie ein Feind unsres Reiches bezeigt." Bei diesen Worten schwieg der Bischof voll Ingrimm. S. 204 Ein andrer von den Gesandten aber sprach: „Es bittet dich dein Neffe Childebert, daß du ihm die Städte, die sein Vater besaß, wieder übergeben lassest." Hierauf antwortete er: „Ich habe euch schon früher gesagt, daß unsere Verträge sie mir zusprechen, und deshalb will ich sie nicht herausgeben." Darauf sagte wiederum ein andrer von den Gesandten: „Es bittet dich auch dein Neffe, daß du ihm die Zauberin(1) Fredegunde, durch die viele vom königlichen Geschlecht umgekommen sind, ausliefern lassest, damit er den Tod seines Vaters, seines Oheims und seiner Vettern an ihr räche." Dagegen sprach jener: „Sie kann ihm nicht ausgeliefert werden, denn sie hat zum Sohn einen König; auch glaube ich nicht, daß wahr ist, was ihr gegen sie vorbringt." Darauf trat Gunthramn Boso zum Könige heran, gleich als ob er ihm etwas sagen wollte. Doch da es schon ruchbar geworden war, daß Gundovald öffentlich zum König erhoben sei, schnitt ihm der König die Rede ab und rief: „Du Feind unsres Landes und unsres Reichs, der du deshalb vor einigen Jahren nach dem Morgenlande gingst, um einen gewissen Ballomer (so nannte der König Gundovald(2)) gegen uns in das Land zu führen! Meineidiger, der du nimmerdar hältst, was du versprichst!" Jener aber sprach zu ihm: „Du sitzest als König und Herr auf dem Throne, und keiner wagt dem zu widersprechen, was du sagst; ich aber erkläre, daß ich unschuldig bin an dieser Sache. Und gibt es einen meinesgleichen, der mir im geheimen dieses Verbrechen zur Last gelegt, so trete er nun offen hervor und rede. Du aber, S. 205 teuerster König, stelle das Urteil Gott anheim, daß er entscheide, wenn er uns im Zweikampfe auf dem Plane streiten sieht." Da hierauf alle schwiegen, nahm der König das Wort und sprach: „Es muß allen nichts mehr am Herzen liegm, als daß dieser Fremdling aus unserm Reiche verjagt werde, dessen Vater die Mühle trieb; ja sein Vater saß, um die Wahrheit zu sagen, an den Wollkämmen und bearbeitete die Wolle." Und obgleich es ja sehr wohl möglich ist, daß ein Mensch zu beiderlei Handwerk verwendet wird(1) , antwortete doch einer von den Gesandten dem Könige zum Hohn: „Also hatte dieser Mann, wie du sagst, zwei Väter, einen Müller und einen Wollarbeiter. Hüte dich, o König, so ungereimt zu reden. Denn unerhört ist es, daß ein Mensch zugleich zwei Väter habe, es sei denn in geistlichen Dingen(2)" Darauf brachen viele in ein Gelächter aus, und einer von den Gesandten ergriff das Wort und sprach: „Wir sagen dir Lebewohl, König, denn du willst die Städte deines Neffen nicht ausliefern; aber wir wissen, noch ist die Axt vorhanden, die deiner Brüder Köpfe spaltete, und alsbald wird sie dir im Schädel sitzen und auch dir das Gehirn spalten." So gingen sie mit Ärgernis fort. Der König aber ließ ihnen, durch diese Worte zur Wut entflammt, beim Weggehen Pferdemist, faule Holzspäne, Spreu und vermodertes Heu, ja sogar stinkenden Straßenkot auf die Köpfe werfen(3). Hierdurch übel zugerichtet, zogen sie mit unendlichem Schimpf und unermeßlicher Schande von dannen.
