Kap. 14 (Der donatistische Bischof Emeritus wurde besiegt).
1 Nach jener mit den Donatisten abgehaltenen Konferenz fehlten solche nicht, die da behaupteten, die (donatistischen) Bischöfe hatten vor dem Richterstuhl nicht alles, was für sie sprach, darlegen können, weil der der katholischen Gemeinschaft angehörende Richter seine Kirche begünstigt hätte. Aber dies brachten die Häretiker erst nach ihrer Niederlage und Besiegung zu ihrer Entschuldigung vor, obschon sie schon vor der Konferenz wußten, der Richter gehöre der katholischen Gemeinschaft an, und auf der Konferenz seiner Aufforderung, in das kontradiktorische Verfahren S. 35 einzutreten, zu entsprechen sich bereit erklärt hatten; denn sie konnten die Verhandlung ablehnen unter dem Hinweis auf die Befangenheit des Richters.
2 Aber der allmächtige Gott gewährte Hilfe: Einige Zeit danach nämlich weilte Augustin ehrwürdigen Andenkens in der mauretanischen Stadt Cäsarea; dorthin zu reisen hatte ihn und einige seiner Mitbischöfe zur Schlichtung anderer kirchlicher dringender Angelegenheiten ein Schreiben des Apostolischen Stuhls veranlaßt.
3 Bei dieser Gelegenheit ereignete es sich, daß er mit Emeritus, dem donatistischen Bischof des Orts, den seine Partei als den Hauptverteidiger auf der Konferenz betrachtete, zusammenkam und öffentlich in der Kirche im Beisein der beiden Gemeinden auf Grund des Streitpunkts (des Punktes mangelnder Redefreiheit) mit ihm disputierte und durch die Erinnerung an die Vorgänge (auf der Konferenz) ihn provozierte, damit er das, was er auf der Konferenz hätte ausführen können, aber angeblich dort nicht darlegen durfte, nun unbesorgt ohne Einspruch oder Eingreifen von irgendeiner Behörde her freimütig zur Aussage bringe — in seiner eigenen Stadt vor seinen versammelten Mitbürgern sollte er sich dem nicht entziehen, seine eigene Gemeinschaft zu verteidigen.
4 Aber jener weigerte sich trotz dieser Aufforderung und trotz der dringenden Bitten seiner Verwandten und Mitbürger dies zu tun, obgleich sie ihm versprachen, sie würden in die Gemeinschaft mit ihm zurückkehren, auch mit Verlust ihres Vermögens und ihrer zeitlichen Wohlfahrt, wenn er nur die katholische Darlegung widerlege.
5 Aber weder wollte er, noch konnte er dem, was geschehen, etwas hinzufügen, außer dem einen Satz: „Die Akten der in Carthago gehaltenen Konferenz der Bischöfe besagen bereits, ob wir gesiegt haben oder besiegt worden sind.“.
6 Als er dann an anderer Stelle von einem Notar aufgefordert wurde zu reden, sagte er (etwas); aber als er (gleich wieder) schwieg und so allen seine Unsicherheit offenbar wurde, traten die Fortschritte und sicheren Grundlagen der Kirche Gottes deutlich hervor.
7 Wer nun die treue Sorge und Arbeit Augustins seligen Angedenkens für den Zustand der Kirche Gottes vollständiger erkennen will, lese die Akten (der Konferenz) durch. Er wird finden, wie vieles und mannigfaltiges Augustin beigebracht hat, um jenen gelehrten, beredten und angesehenen Mann herauszufordern und zu ermahnen, er möge doch alles, was er nur wolle, zur Verteidigung seiner Partei aussagen, und der Leser wird ihn (Emeritus) als Besiegten beurteilen.
