Kap. 22 (Wie sich Augustin in bezug auf Kleidung und Wohnung verhalten hat).
1 Seine Kleider, Schuhe und sein Bettzeug waren bescheiden, aber angemessen, weder allzu fein noch zu ärmlich, während die Menschen in bezug auf diese Dinge sich entweder übermütig brüsten oder wegwerfen, dort wie hier „nicht das suchend, was Jesu Christi ist, sondern das Ihrige“. Er aber hielt, wie gesagt, die Mitte inne, weder nach rechts noch nach links abweichend.
2 Sein Tisch war frugal und sparsam; auch Fleisch bot er ab und zu neben den Gemüsen und Hülsenfrüchten der Gäste und Kranken wegen dar, stets aber Wein; denn er wußte und lehrte, daß, wie der Apostel sagt, „jegliche Kreatur Gottes gut sei und nichts abzulehnen sei, was mit Danksagung empfangen wird; denn es wird durch Gottes Wort und Gebet geheiligt“.
3 Und wie der heilige Augustin in den Büchern seiner Konfessionen sagt: „Ich fürchte nicht die Unreinheit der Zukost, sondern die Unreinheit der Begierde. Ich weiß, daß Noa jegliche Sorte Fleisch, die zur Speise dient, zu essen gestattet hat, daß Elias durch Fleisch ernährt worden ist, und daß der staunenswerte Asket Johannes durch den Genuß von Tieren, nämlich von Heuschrecken, sich nicht verunreinigt habe. Und ich weiß umgekehrt, daß Esau durch ein Linsengericht verlockt worden ist, daß David seiner Begierde nach Wasser wegen sich selbst getadelt hat, und daß unser König (= Jesus) nicht mit Fleisch, sondern mit Brot versucht worden ist. Daher zog sich auch das Volk in der Wüste nicht deshalb die Verwerfung zu, weil es Fleisch begehrte, sondern weil es bei seinem Verlangen nach Speise gegen Gott murrte.“
4 Über den Weingenuß aber gibt es die Meinung des Apostels, der an Timotheus schreibt und sagt: „Trinke nicht immer Wasser, sondern nimm etwas Wein zu Dir, Deines Magens und Deiner häufigen Unpäßlichkeiten wegen.“
5 Nur seine Löffel waren aus Silber; sonst waren die Gefäße, in denen die Speisen auf den Tisch kamen, irdene oder hölzerne oder aus Marmor, nicht aus Armut, sondern, „weil er es so bestimmte“.
6 Aber auch Gastfreundschaft übte er stets, und bei Tisch liebte er Lektion und Disputation mehr als Speise und Trank, und wider die in der Geselligkeit grassierende Seuche hatte er auf dem Eßtische folgende Inschrift stehen:
„Wer da gern mit scharfem Wort die benagt, die nicht zugegen,
Ist nicht wert, an diesem Ort mit uns Tischgespräch zu pflegen.“
Demgemäß ermahnte er auch jeden Tischgenossen, sich der überflüssigen und schädlichen Gespräche zu enthalten, und als einmal einige der ihm vertrautesten Mitbischöfe jene Inschrift vergaßen und trotz ihrer schwätzten, tadelte er tieferregt sie so bissig, daß er erklärte, entweder müsse die Inschrift vom Tisch entfernt werden oder er werde sich mitten im Essen in sein Kabinett zurückziehen. Ich und Andere, die damals bei Tisch waren, haben das erlebt.
