Kap. 1 (Augustins Herkunft, Bekehrung und Taufe).
1 Der afrikanischen Provinz, der Stadt Tagaste und der kurialen Schicht der Bürgerschaft entstammte er, von ehrbaren und christlichen Eltern1 auferzogen und ernährt von ihrer Sorge und Sorgfalt und auf ihre Kosten, in den weltlichen Wissenschaften hervorragend unterrichtet, d. h. in allen sog. „freien“ Disziplinen; denn erst lehrte er in seiner Heimatstadt die Grammatik, dann die Rhetorik in der Hauptstadt Afrikas, Carthago, und in der Folgezeit auch jenseits des Meeres in der Stadt Rom und in Mailand, wo damals Valentinian der Jüngere Hof hielt.
2 In dieser Stadt verwaltete damals das bischöfliche Amt der Gott besonders genehme und unter den besten Männern besonders hervorragende Priester Ambrosius. Den häufigen Predigten nun dieses Verkündigers des Wortes Gottes in der Kirche wohnte er zusammen mit der Gemeinde bei und lauschte ihnen gespannt und mit voller Hingabe.
3 War er doch einst in Carthago als Jüngling vom Irrtum der Manichäer verführt worden; daher war er gespannter als die andern Zuhörer, ob etwas, sei es für diese Häresie, sei es gegen sie, gesagt werde. Und durch die Gnade Gottes des Befreiers, der das Herz seines Priesters durchwaltete, glückte es, daß sich die Zweifelfragen des Gesetzes (d. h. des A.T.) im Sinne der Widerlegung jenes Irrtums lösten, und auf diese Weise gründlich belehrt, wurde langsam und allmählich durch das göttliche Erbarmen jene Häresie aus seiner Seele vertrieben, und, alsbald im katholischen Glauben befestigt, entstand in ihm ein Feuer der Liebe, in der Religion fortzuschreiten, um, als sich die Tage des heiligen Osterfestes nahten, das Wasser des Heils zu empfangen.
4 Und so geschah es durch die göttliche Gnade, daß er durch den so großen und so würdigen Vorsteher Ambrosius
sowohl die heilsame Lehre der katholischen Kirche als auch die göttlichen Sakramente empfing.
Es ist ein hartnäckig festgehaltener Irrtum, Augustins Vater sei „Heide“ gewesen; er war „Christianus“, aber nicht, wie seine Gattin, „fidelis“, d. h. er wurde, wie damals unzählige andere Christen, erst kurz vor dem Tode getauft. ↩
