Kap. 20 (Wie er für Schuldige eingetreten ist).
1 Wir wissen auch, daß er, von seinen Vertrauten um briefliche Interzession bei den weltlichen Obrigkeiten angegangen, dem Ersuchen nicht entsprochen hat, indem er sagte, man müsse das Urteil eines weisen Mannes befolgen, von dem schriftlich überliefert ist, daß er aus Rücksicht auf seinen eigenen Ruf seinen Freunden vieles abgeschlagen habe. Und von sich aus fügte er noch hinzu, daß öfters die machtvolle Stelle, die angerufen wird, bedrückende Forderungen stellt.
2 Wenn er aber, um Interzession gebeten, sich von ihrer Notwendigkeit überzeugte, verfuhr er so fein und taktvoll, daß er nicht nur nicht lästig und beschwerlich wurde, sondern vielmehr Bewunderung erregte.
3 Als er z. B. sich zu einer Interzession genötigt sah und in der ihm eignen Art bei einem Vikar von Afrika, Macedonius mit Namen, für einen Supplikanten brieflich eintrat und der Vikar willfahrte, lautete dessen Schreiben so:
4 „Mit Bewunderung erfüllt mich Deine Weisheit, sowohl in Deinen Publikationen (Büchern) als auch in dem Interzessionsschreiben für die Sträflinge, dessen Mühe Du Dich unterzogen hast; denn die Bücher umschließen so viel Scharfsinn, Wissen und Heiligkeit, daß sie unübertrefflich sind, und das Schreiben so viel ehrfurchtgebietenden Takt, daß ich, wenn ich nicht nach Deiner Eingabe handle, zweifelsohne urteilen muß, die Schuld bleibe auf mir, mein wahrhaft ehrwürdiger Herr und hochgeehrter Vater!
5 Denn nicht drängst Du, wie so viele Deines Standes, um alles das, was der Sträfling will, herauszupressen, sondern was Dir bei dem in so vielen Sorgen steckenden Richter zu erbitten möglich erscheint, legst Du nahe, unterstützt durch jenen Takt der Ehrerbietung, der bei schwierigen Fällen unter guten Menschen das wirksamste Mittel ist. Demgemäß habe ich sofort Deinen Wunsch im Sinne Deiner Empfehlung erfüllt; daß Du darauf hoffen konntest, hatte ich schon früher ermöglicht.“
