Kap. 17 (Der arianische Graf Pascentius wird auf einer Konferenz widerlegt).
1 Außerdem hatte Augustin auch mit einem Pascentius, einem arianischen Grafen aus dem königlichen Hause, eine Konferenz, der als höchst scharfer Steuerforderer durch die Autorität seiner Person den katholischen Glauben heftig und unausgesetzt bekämpfte und sehr viele einfältige, ihres Glaubens lebende Priester Gottes durch seine Geschwätzigkeit und seine Macht aufstörte und verwirrte. Dieser Häretiker hatte den Augustin in Carthago zu der Konferenz herausgefordert, an der angesehene und vornehme Männer teilnahmen.
2 Aber er lehnte dabei auf alle Weise die Führung eines Protokolls ab, die unser Meister sowohl schon vor der Konferenz als auch auf der Konferenz aufs dringendste verlangte. Da er dies verweigerte, indem er erklärte, er sei aus Furcht vor den Staatsgesetzen nicht gewillt, sich der Gefahr, die solch ein Protokoll enthalte, auszusetzen, und an die Teilnehmer appellierte, und da der Bischof Augustin mit seinen anwesenden Mitpriestern eine private Diskussion ohne Protokoll ins Auge faßte, entschloß er (Augustin) sich zur Konferenz, sagte aber voraus, was auch nachmals eintrat, daß es nach Beendigung der Konferenz, da eine schriftliche Bekundung fehlte, einem jeden ohne weiteres möglich S. 37 sein werde, frei zu behaupten, er habe etwas gesagt, was er doch nicht gesagt, und er habe nicht gesagt, was er doch gesagt.
3 Und er trat nun in die Streitrede mit dem Gegner ein, legte seinen Glauben dar, hörte die Meinung Jenes an, belehrte über das Vorgetragene durch richtige Begründung und die Autorität der heiligen Schriften und wies die festen Grundlagen unsres Glaubens nach; über die Behauptungen jenes aber lehrte er, daß sie durch keine Wahrheit, durch keine Autorität der heiligen Schriften gestützt seien, und widerlegte sie.
4 Nach der Trennung der beiden Parteien wurde jener immer zorniger und wütender und streute zugunsten seines falschen Glaubens viele Lügen aus, verkündigend, der von so vielen hocherhobene Augustin sei von ihm besiegt worden.
5 Da diese Reden nicht verborgen blieben, sah sich Augustin gezwungen, an Pascentius zu schreiben — mit Unterdrückung der Namen der Konferenzteilnehmer aus Rücksicht auf dessen Befürchtungen —, und in dem Briefe legte er eindringlich dar, was von den Parteien gesagt und verhandelt worden war; wenn das in Abrede gestellt werde, habe er zum Beweise seiner Behauptungen eine große Menge von Zeugen, nämlich die Teilnehmer an der Konferenz, die hohen Beamten und angesehenen Männer.
6 Auf zwei an ihn gerichtete Schreiben antwortete der Gegner kaum mit einer knappen Erwiderung, in der er sich fähiger erwies, Unrecht zu tun als die Berechtigung seiner Sekte nachzuweisen. Wer den Brief lesen will und kann, dem bestätigt sich das.
7 Auch mit einem Bischof der Arianer, Maximinus, der mit den Goten nach Afrika gekommen war, hielt er in Hippo eine Konferenz ab auf Wunsch und Bitten Zahlreicher, im Beisein hervorragender Männer, und schriftlich wurden die Behauptungen der beiden Parteien aufgezeichnet.
8 Wenn sich die Strebsamen bemühen, sie aufmerksam zu lesen, werden sie ohne Zweifel ermitteln, sowohl was die Verschlagenheit und Unvernunft der Häresie zur Verführung und Täuschung vorbringt, als auch was die katholische Kirche in bezug auf die göttliche Dreieinigkeit bekennt und verkündet.
9 Aber weil jener Häretiker, aus Hippo nach Carthago zurückgekehrt, auf Grund seiner großen, auf der Konferenz geübten Vielrednerei sich damit brüstete, er sei als Sieger von der Konferenz geschieden, und log — von den des heiligen Gesetzes Unkundigen konnte er nicht leicht geprüft und beurteilt werden —, so hat der verehrungswürdige Augustin nochmals eine schriftliche Darstellung der ganzen Konferenz in bezug auf die einzelnen Themata und Antworten gegeben, und obgleich jener außerstande war, irgend etwas hierzu darzulegen, führte Augustin seinen Nachweis durch und fügte noch Zusätze hinzu, die auf der Konferenz bei der Kürze der Zeit nicht vorgetragen und aufgeschrieben werden konnten: denn dazu hatte es der schlimme Mann gebracht, daß er durch seine Schlußausführung, die weitaus die längste seiner Rede war, alle Zeit, die an diesem Tag noch übrig war, in Anspruch genommen hatte.
