18.
Doch wozu Altes wiederholen und tugendhafte Frauen aus Büchern schildern, wo Du in der Stadt, in der Du lebst, so viele Beispiele vor Augen hast, die Du nachahmen sollst? Ich will sie nicht alle erwähnen, um nicht in den Ruf eines Schmeichlers zu kommen. Ein S. 169 Hinweis auf die fromme Marcella möge Dir genügen die ihrem vornehmen Geschlechte Ehre macht und in manchem an die Berichte der Evangelien erinnert. Anna lebte von den Tagen ihrer Jungfrauschaft an sieben Jahre mit ihrem Manne, 1 sie sieben Monate. Jene erwartete die Ankunft Christi, 2 sie hielt ihn fest, den Anna auf ihren Armen getragen hatte. Anna besang das weinende Knäblein, Marcella preist den triumphierenden Heiland. Die eine sprach von ihm zu allen, welche die Erlösung Israels erwarteten, die andere ruft mit den erlösten Heiden: „Ein Bruder erlöset nicht den Bruder, sondern ein Fremder wird ihn loskaufen.“ 3 Und nach einem anderen Psalm: „Ein Mensch ist in der Stadt Jerusalem geboren worden, und der Allerhöchste selbst hat sie gegründet.“ 4
Vor ungefähr zwei Jahren habe ich meine Bücher gegen Jovinian veröffentlicht, in denen ich aus der Hl. Schrift die Einwendungen widerlegte, die man aus dem Apostel Paulus im Interesse der zweiten Ehe herauslesen will. 5 Es wäre überflüssige Arbeit, das gleiche noch einmal zu schreiben, zumal Du es ja dort nachlesen kannst. Nur an eines möchte ich Dich noch erinnern, um die einem Brief gesetzten Grenzen nicht allzusehr zu überschreiten: „Denke jeden Tag daran, daß Du sterben wirst, und Du wirst nicht weiter an eine zweite Ehe denken.“
