8.
Dein Buch, das, in kluger Weise und in ausgezeichnetem Stile verfaßt, den Kaiser Theodosius verteidigt, 1 habe ich erhalten und mit Genuß gelesen. Besonders hat mir daran die Einteilung gefallen. Während Du in den ersten Kapiteln andere Schriftsteller übertriffst, hast Du Dich in den letzten selbst übertroffen. 2 Der sprachliche Ausdruck ist gedrängt und trotzdem leicht verständlich. Er verbindet ciceronianische Reinheit mit Reichtum an Gedanken. Denn eine Rede, an der nur die Worte zu loben sind, bleibt nach dem Urteil eines unserer Schriftsteller eine lahme Angelegenheit. 3 Besondere Anerkennung verdient die Folgerichtigkeit, mit der sich das eine aus dem anderen ergibt. Man mag anfassen, was man will, stets handelt es sich um ein Urteil, das sich aus dem Vorhergehenden erschließt, oder um eine Überleitung zu den nachfolgenden Darlegungen. Theodosius kann man glücklich preisen, daß er solch einen tüchtigen christlichen Verteidiger gefunden hat. Du hast seinem Purpur erst den richtigen Glanz verliehen und der Nützlichkeit seiner Gesetze für die Zukunft die Weihe gegeben. Mutig voran! Wenn eine Erstlingsschrift solche Vorzüge aufweist, was mag dann erst der geübte Soldat zustande bringen? Möchte es mir doch gestattet sein, ein solches Talent nicht, wie die Dichter sagen, über die aonischen Gebirge und über die Gipfel des Helikon zu führen, 4 sondern über den S. 183 Berg Sion, über den Tabor, den Sinai und alle die anderen Höhen, welche die Schrift erwähnt! Wenn ich ihm beibringen könnte, was ich gelernt habe, wenn ich ihm sozusagen die Geheimnisse der Propheten von Hand zu Hand weitergeben könnte, 5 dann möchte uns wohl ein Werk erstehen, wie es selbst das gelehrte Griechenland nicht aufzuweisen hat.
Vgl. S. 171. ↩
Cicero, De orat. III 1, 3. ↩
Quintilian, Instit. orat. VIII prooem. 31. ↩
Bezeichnung des alten Böotiens, dessen mythischer König Aon ein Sohn Poseidons war. Der bedeutendste Berg des Landes war der Helikon mit seinem Tempel des Apollo und einem den Musen geheiligten Hain. ↩
Cicero, Ad famil. VII 5, 3. ↩
