9.
Höre also zu, mein Mitknecht, mein Freund und Bruder, und beachte ein klein wenig meinen Rat bezüglich des Weges, auf dem Du zur Kenntnis der Schrift vordringen kannst. Alles, was wir in den göttlichen Büchern lesen, glänzt und leuchtet schon in der Rinde, aber noch süßer ist das Mark. 1 Wer den Kern essen will, muß die Nuß knacken. 2 David singt: „Öffne, o Herr, meine Augen, und ich will die Wunder Deines Gesetzes betrachten.“ 3 Wenn dieser große Prophet die Finsternis seiner Unwissenheit eingesteht, welche Nacht der Unkenntnis mag da erst uns Kleine, die wir beinahe noch Säuglinge sind, um fluten? Dieser Schleier liegt aber nicht nur über dem Angesichte des Moses, 4 sondern er verhüllt auch die Bücher der Evangelisten und die Briefe der Apostel. Zu den Scharen sprach der Erlöser in Gleichnissen. 5 Er weist auf das Geheimnisvolle seiner Worte hin, wo er spricht: „Wer Ohren hat zu hören, der höre!“ 6 Wenn nicht alles, was geschrieben steht, von dem geklärt wird, der den Schlüssel Davids hat, der öffnet, während niemand schließt, und der schließt, während niemand öffnet, 7 dann bleibt alles ungeklärt, da kein anderer die Lösung bringen kann. Wenn Du auf diesem Grunde bauen wolltest, oder wenn er gewissermaßen als die vollendende Hand an Dein Werk gelegt würde, S. 184 dann gäbe es nichts Schöneres, nichts Gelehrteres, nichts, was in besserem Latein verfaßt wäre als Deine Schriften.
