10. Dieses Geschichtswerk ist sowohl notwendig wie auch ersprießlich für die Seelen.
S. 11Für mich hingegen ist es schwierig etwas zu sagen, das der Seligkeit des Kaisers würdig wäre, und trug- und gefahrlos wäre es zu schweigen; gleichwohl aber ist es notwendig, daß ich in Nachahmung des irdischen Malers mit Worten ein Bild des gottgeliebten Kaisers zeichne und es seinem Andenken weihe, wenn ich dem Vorwurf der Saumseligkeit und Trägheit entgehen will. Schämen müßte ich mich ja vor mir selber, wenn ich nicht mein Möglichstes, mag dieses auch gering und wenig wert sein, demjenigen darböte, der uns alle in seiner unübertrefflichen Gottesfurcht geehrt hat. Auch sonst glaube ich, daß es von Nutzen und meine Pflicht sei, dieses Werk zu schreiben, das die Gott dem höchsten Herrscher so wohlgefälligen Taten des hochherzigen Kaisers enthalten soll. Neros Andenken und das ruchloser und gottvergessener Tyrannen, die noch weit schlechter waren als dieser, hat leicht unverdrossene Biographen gefunden, die die ihnen vorliegenden schlechten Taten durch ausgesuchte Darstellung aufputzten und in bändereichen Geschichtswerken niederlegten; wäre es da denn keine Schmach, wenn wir schwiegen, denen Gott selber die Gnade gewährt hat unter einem Kaiser zu leben, einen Kaiser zu sehen, kennen zu lernen, ja mit ihm zu verkehren, wie die ganze Weltgeschichte noch von keinem berichtet hat? Darum geziemt es sich wohl, wenn überhaupt für jemanden, so gerade für uns, allen, in denen das Abbild des Guten das Sehnen nach der Liebe Gottes weckt, in reichlichem Maße zu verkünden, was wir Edles gehört haben. Denn diejenigen, welche das Leben unwürdiger Männer und Taten, die nicht zur Veredlung des Charakters beitragen können, aus Vorliebe oder Abneigung gegen irgend jemand, schließlich wohl auch zur Schaustellung ihrer eigenen Gelehrsamkeit zusammengeschrieben haben, alle diese haben mit dem Prunke schön klingender Worte die Darstellung schandbarer Handlungen in nicht zu billigender Weise aller Welt bekannt gemacht und sind dadurch denen, die mit Gottes Gnade so glücklich waren, sich vom Bösen S. 12freizuhalten, Lehrer in Dingen geworden, die nicht gut sind und es verdienten, gänzlich verschwiegen und vergessen zu werden. Bei mir dagegen wird wohl der Darstellungsweise, wenn sie auch zu gering ist, um eine Sprache zu finden, wie sie ein so erhabener Stoff forderte, doch schon der schlichte Bericht so herrlicher Taten irgendwelchen Glanz verleihen, und die Aufzeichnung Gott so wohlgefälliger Erzählungen wird allen Lesern, deren Herz in der richtigen Stimmung ist, nicht nutzlos sein, vielmehr sogar recht großen Nutzen bringen.
