50. Licinius will Konstantin Nachstellungen bereiten.
Er begann also gegen seinen Wohltäter den Krieg auf Leben und Tod, ohne auf die Gesetze der Freundschaft Rücksicht zu nehmen, ohne sich seiner Eide, seiner S. 39Verwandtschaft und seiner Verträge zu erinnern. Denn Konstantin hatte ihm in seiner Güte, um ihm einen Beweis seines aufrichtigen Wohlwollens zu gewähren, die Gunst erwiesen, ihm seine Schwester zur Ehe zu geben1 und ihn dadurch in das Geschlecht seiner Väter und in die innigste Verwandtschaft mit seinem alten kaiserlichen Hause aufzunehmen; auch hatte er ihm die vollständige Herrschaft über das Gebiet der Machthaber des Ostens übertragen. Jener sann dagegen gerade auf das Gegenteil und schmiedete allerlei Ränke gegen den Besseren, indem er immer auf andere Arten überlegte, wie er seinem Wohltäter nachstellen und mit Schlimmem vergelten könnte. Erst heuchelte er Freundschaft, während er sich überall als einen Mann voll Lug und Trug zeigte; so hoffte er mit seinen Wagnissen verborgen bleiben zu können; Gott machte aber die im Finstern ausgeheckten Nachstellungen seinem Diener offenbar. Da sich aber jener bei seinen ersten Versuchen ertappt sah, griff er zu anderem Trug, indem er bald den Handschlag der Freundschaft gab, bald Verträge mit heiligen Eiden bekräftigte, dann plötzlich alle Vereinbarungen verwarf, sich aber wieder flehend durch Gesandtschaften nahte, wiederum zu den schmählichsten Lügen griff und schließlich offen den Krieg erklärte und so in seinem tollkühnen Wahnwitz den Kampf gegen den Gott selber aufnahm, den er von dem Kaiser verehrt sah.2
