7. Der Vater ist unaussprechlich. Vollkommene Gotteserkenntnis.
Doch dieses möchte ich vom Vater eher denken als sprechen; denn es entgeht mir nicht, daß jedes Wort zu schwach ist, um sein Wesen und seine Eigenschaften aussprechen zu können. Wer erkannt werden soll, ist unsichtbar, unfaßbar, ewig. Indes gerade dieses, daß er in sich selbst und von sich selbst und selbst durch sich ist; daß er unsichtbar und unfaßbar und unsterblich ist, darin besteht zwar das Bekenntnis seiner Ehre sowie die Bezeichnung der Erkenntnis und eine Art Umgrenzung des Ahnens; vor seinem Wesen (Überfülle des Seins) aber erliegt die menschliche Ausdrucksfähigkeit; und Worte erklären nicht den Sachverhalt, wie er in Wirklichkeit ist. Denn wenn du hörst, daß er in sich selbst ist, so bietet sich doch der menschlichen Vernunft keine endgültige Erkenntnis dar; denn Haben und Gehabtwerden wird unterschieden; und das eine soll sein, was er ist, und das andere, worin er ist. Und wiederum, wenn du vernimmst, er habe sein Dasein von sich selbst: niemand ist sich selbst Geber und Gabe. Wenn (es wahr ist), daß er unsterblich ist, so gibt es etwas, das nicht von ihm stammt, dem er, als anderer, nicht unterworfen ist;1 und nicht allein dies ist es, das durch die Anwendung dieses Wortes von dem anderen (dem Vater) ausgeschlossen wird. Wenn (es der Fall ist), daß er unerfaßlich ist, so wird er nirgendwo sein, weil sein Erfaßtwerden geleugnet wird. S. 112 Wenn es so ist, daß er unsichtbar ist, entbehrt er dasjenige durch sich selbst, was immer nicht dazu da ist, gesehen zu werden.
Das Bekenntnis versagt also bei der Bezeichnung; und wie immer jene Bezeichnungen angepaßt werden, das Wesen Gottes, die Größe Gottes, werden sie nie (vollgültig) aussagen. Das vollkommene Wissen ist dieses, Gott zwar nicht als den Unerkennbaren, wohl aber als den Unaussprechlichen zu wissen. Man muß an ihn glauben, ihn erkennen, ihn anbeten; und durch dieses pflichtmäßige Tun muß man ihn bekennen.
nämlich den Tod. ↩
