26. Die Niedrigkeit der Empfängnis hebt auch die Würde der Geburt hervor.
S. 129 Doch damit nicht etwa die Gedanken ängstlicher Gemüter von der Wiege, dem Wimmern, von Geburt und Empfängnis niedergedrückt werden, darum soll bei jedem Gottes Würde aufgewiesen werden: daß der freigewollten Erniedrigung die glanzvolle Stellung der Macht vorangeht, und auch die Würde von der Herabwürdigung nicht verleugnet wird.
Sehen wir also zu, was bei der Empfängnis zu Diensten stand. Ein Engel spricht zu Zacharias, der Unfruchtbaren wird eine Geburt als nah verkündet;1 von des Rauchopfers Stätte geht der Priester stumm hinweg;2 Johannes, noch eingeschlossen in Mutters Leib, bricht in Worte aus.3 Ein Engel bringt Maria die Segnung (Gottes), verkündet feierlich der Jungfrau die Gottesmutterschaft. Jene, auf ihre Jungfräulichkeit sich besinnend, wird bestürzt durch die Schwierigkeit des Geschehens. Der Engel legt ihr die Macht göttlichen Handelns dar; spricht er doch: „Der Heilige Geist wird aus der Höhe auf dich herabsteigen, und die Kraft des Allerhöchsten wird dich umschatten.”4 Der Hl. Geist5 schwebte nieder aus der Höhe und heiligte den Schoß der Jungfrau; in ihm hat er durch sein Wehen (weht der Geist doch, wo er will)6 sich in ein Wesen menschlichen Fleisches hineinversenkt; was ihm fern und fremd war, hat er durch seine machtvolle Hoheit an sich genommen. Damit nicht irgend etwas wegen der Schwächlichkeit des menschlichen Körpers in Unstimmigkeit sei, deswegen S. 130 hat des Allerhöchsten Macht die Jungfrau überschattet, hat ihre Schwachheit wie ein Schatten umflossen und gestärkt, damit auf die lebenweckende Wirksamkeit des einströmenden Geistes hin die Überschattung der göttlichen Kraft durch ihr Einströmen7 die körperliche Gestalt bilde.
Luk. 1, 13. ↩
Luk. 1, 22. ↩
Luk. 1, 44. ↩
Luk. 1, 35. ↩
„Hl. Geist” ist für Hilarius noch nicht der festgeprägte Ausdruck für die dritte göttliche Person, sondern kennzeichnet auch oft das göttliche Wesen der zweiten göttlichen Person. Vgl. Buch 2 Kap. 30; Buch 8 Kap. 25; Buch 3 Kap. 4; ferner mit Beziehung auf den „Hl. Geist” bei der Menschwerdung: Justin, Apg. I 33. (Bibl. der Kirchenväter 12, S. 47.) ↩
Joh. 3, 8. ↩
Einströmen wegen inumbratio. ↩
