15. Das „Wort”, gemäß Hebion, nur ein Wort? Damit stimmt nicht: es war. Das Wort ist Gott.
Denn du möchtest sagen wollen: „Wort” ist nur eine Bezeichnung, eine Benennung der Aufgaben und eine Fassung der Gedanken. Dieses war bei Gott, und (dieses) war im Anfang; denn das Sprechen des Gedankens ist ewig, da auch, wer denkt, ewig ist. Vorerst erwidere ich dir einiges, statt meines Fischers, ehe wir zusehen werden, wie er wohl seine ungelehrte Einfalt selber verteidigt. Das (gesprochene) Wort hat dies an sich, daß es sein kann, was aber zur Folge hat, daß es dann aber gewesen ist; es ist nur solange, als es gehört wird. Und wie „war im Anfang”, was weder vor der Zeit, noch nach der Zeit ist? Und ich weiß nicht (einmal), ob es überhaupt innerhalb des Zeitflusses sein kann; denn das Wort derer, die sprechen, ist weder, ehe sie sprechen, noch wird es sein, wenn sie gesprochen haben; aber schon eben darin noch, daß sie sprechen, wird zu Ende des Sprechens schon nicht mehr sein, womit sie begonnen haben.
Das (sei) von mir (beigebracht), wie von einem aus vielen.
Doch anders (spreche) der Fischer für sich selbst: vorerst wird er dich deswegen sehr tadeln, weshalb du nur lässig gehört hast. Denn magst du auch den ersten Satz als flüchtiger Hörer vergessen haben: „Im Anfang war das Wort”, wie willst du dich über den folgenden beklagen: „Und das Wort war bei Gott”? Hattest du etwa gehört: in Gott (und nicht bei Gott), um auf das Wort eines verborgenen Gedankens zu schließen?1 Oder S. 120 war es dem Ungelenken entgangen, ein wie weiter Unterschied sei zwischen In-sein und Dabei-sein? Denn so ist die Lehre: was im Anfang war, das war nicht in einem anderen, sondern mit einem anderen. Doch von dem, was vorher (im Evangelium gesagt) ist, ziehe ich nichts bei; was nachfolgt, sei beachtet; ein genaues Augenmerk richte auf Seinsart und Name des Wortes. Denn er sagt: „Und Gott war das Wort.” Die Nur-Bezeichnung hört auf das Nur-sprechen des Gedankens. Dieses Wort ist dinghaftes Sein, kein Wortschall; ist wesenhaftes Bestehen, kein Sprechen; ist Gott, und kein Wahngebilde.
d. h. als sprachlich-äußere Einkleidung eines innerlich-verborgenen Gedankens. ↩
