35. Das Geschenk des Hl. Geistes ist unumgänglich notwendig. Ohne ihn kann man die Natur Gottes erkennen, nicht aber erlebnismäßig erfahren.
Wir wollen also so freigebige Geschenke nutzen und die Nutzung des unumgänglich notwendigen Geschenkes erbitten.
Wie wir vorher schon gezeigt haben, sagt nämlich der Apostel: „Wir aber haben nicht den Geist dieser Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott ist, damit wir um das wissen, was uns von Gott gegeben wurde.”1 Des Wissens wegen wird er also (zum Geschenk) hingenommen. Wie nämlich der menschliche Körper seinem Wesen nach überflüssig ist, sobald die Veranlassungen zu seiner Betätigung aufhören, da ja den Augen keine Möglichkeit ihrer Betätigung bleibt, außer bei S. 138 Licht und bei Tage; wie die Ohren ihre Aufgabe nicht erkennen, es sei denn, daß Stimme und Schall sich bieten; wie die Nase nicht weiß, worin ihre Leistung bestehe, es sei denn, daß Duft aufsteige; ― nicht als ob das Wesen um der (wegfallenden) Ursache willen einen Mangel habe, sondern der (tatsächliche) Gebrauch wird veranlaßt durch eine Ursache ―, so auch wird der menschliche Geist zwar auf Grund seines Wesens die Befähigung zur Gotteserkenntnis, nicht aber das Licht des Wissens besitzen, wenn er nicht durch den Glauben das Geschenk des Geistes geschöpft hat.
Das Geschenk aber, das in Christus ist, liegt in seiner Ganzheit frei da für alle, (und ist nur) eines. Und was nirgendwo fehlt, wird insoweit gewährt, als jemand den Willen hat, zu nehmen; insoweit bleibt es inwohnen, als jemand den Willen hat, es durch Verdienste zu erwerben.
Dieses (Geschenk) bleibt bis zur Vollendung der Zeit bei uns, dies ist der Trost unserer Erwartung, dieses ist bei der Betätigung der Gaben Unterpfand der künftigen Hoffnung ― dieses Licht der Geister, dieser (Geist) ist der Glanz der Seelen.
Diesen Geist also gilt es zu erbitten, durch Verdienste zu erwerben und danach durch treue Beachtung der Gebote festzuhalten.
1 Kor. 2, 12. ↩
