2.
Jetzt ist es nicht an der Zeit, Dich hindurchzuleiten durch die Auen der Tugend. Ich will mich nicht damit abmühen, Dir die Schönheit der verschiedenen Blumen zu zeigen. Ich will nicht ausführen, wie die Lilie die Reinheit, die Rose die Keuschheit versinnbildet, welche Beziehung der Purpur des Veilchens zum Himmelreiche hat, was uns das bunte Bild der rotschimmernden Knospen zu sagen weiß. Denn Du hast mit Gottes Hilfe bereits Hand an den Pflug gelegt. 1 Du hast das Dach und den Söller bestiegen zusammen mit Petrus, der nach den Juden hungernd gesättigt wird durch den Glauben des Cornelius. Den Hunger nach ihrem Unglauben stillt er durch die Bekehrung der Heiden. Durch das viereckige Tuch der Evangelien, das sich vom Himmel zur Erde senkt, wird er belehrt und lernt, daß alle Menschen selig werden können. Als er aber wahrnahm, wie das weiße Linnen wieder in die Höhe gezogen wurde, 2 da war ihm klar, daß auch die Gemeinde der Gläubigen von der Erde zum Himmel emporgehoben werden sollte, damit die Verheißung des Herrn sich erfülle, die da sagt: „Selig, die eines reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.“ 3 Alles, was ich Dir in aller Freundschaft zu sagen habe, alles, was ich, der erfahrene Seemann, der in manchem Sturm Schiffbruch gelitten hat, dem S. 218 Anfänger ans Herz zu legen versuche, spitzt sich darauf zu, daß Du weißt, an welchem Gestade die Piraten der Keuschheit ihr Unwesen treiben. Du mußt wissen, wo sich die Charybdis der Habsucht, die Wurzel aller Übel, 4 und die von ihren Hunden, nämlich den Neidern, umringte Scylla befindet, 5 an die der Apostel denkt, wo er schreibt: „Reibet euch nicht gegenseitig auf, indem ihr euch untereinander beißet.“ 6 Du mußt wissen, wie man zuweilen in den Lybischen Sandbänken vom Sturm der Laster überrascht wird, während man sich im ruhigen Gewässer sicher wähnt. Du mußt darüber unterrichtet sein, welche giftigen Tiere die Wüste dieser Welt großzieht.
