14.
Die Weltweisen pflegen eine alte Liebe durch eine neue zu vertreiben, so wie man einen Nagel durch einen anderen wegschafft. 1 Ähnlich machten es auch die sieben Perserfürsten mit dem Könige Assuerus, indem sie seine Sehnsucht nach der Königin Vasthi durch die Liebe zu anderen Mädchen stillten. 2 Sie heilen Laster durch Laster, Sünde durch Sünde. Wir aber wollen die Laster durch die Liebe zur Tugend überwinden. Heißt es ja: „Wende dich ab vom Bösen und tue das Gute! Suche den Frieden und jage ihm nach!“ 3 Wenn wir das Schiimme nicht hassen, können wir das Gute nicht lieben. Noch besser, wir müssen das Gute tun, um dem Bösen aus dem Wege zu gehen. Wir müssen den Frieden suchen, um dem Kriege auszuweichen. Aber es genügt nicht, den Frieden zu suchen. Vielmehr müssen wir ihm, wenn wir ihn gefunden haben und er wieder entfliehen will, mit allem Eifer nachjagen. Denn dieser Friede ist über jeden Begriff erhaben, 4 bedeutet er doch die Innewohnung Gottes nach dem Worte des Propheten, das da lautet: „Seine Stätte ist bereitet im Frieden.“ 5 Sehr richtig spricht man von der Jagd nach dem Frieden in S. 230 Anlehnung an die Worte des Apostels: „Jaget der Gastlichkeit nach!“ 6 Wir sollen nicht mit bedeutungslosen und gewohnten Redensarten oder, wie man sagt, mit gespitzten Lippen die Gäste einladen, sondern wir sollen sie mit allem Eifer da behalten, gleich als ob sie durch ihr Fortgehen uns Gewinn und Vorteil raubten.
