8.
Mögen andere eine andere Auffassung haben, — folgt ja doch jeder gern seiner Meinung —, 1 für mich auf jeden Fall ist die Stadt ein Kerker und die Einsamkeit ein Paradies. Warum sollen wir uns nach dem Getriebe der Städte sehnen, wo wir doch von der Einsamkeit unseren Namen herleiten? 2 Moses erhält, ehe er zum Führer des Volkes Israel bestimmt wird, vierzig Jahre lang in der Wüste die notwendige Belehrung. Aus einem Schafhirten wurde er dann zum Menschenhirten. 3 Die Apostel, die einstigen Fischer vom See Genesareth, wurden zu Menschenfischern. Vorher besaßen sie Vater, Netze und Schiff. Als sie sich aber dem Herrn anschlossen, da verließen sie alles, 4 trugen Tag für Tag ihr Kreuz und behielten nicht einmal einen Stab in ihrer Hand. 5 Dies sage ich, damit Du zuerst selber lernst, ehe Du als Lehrer auftreten kannst, falls Du Dich nach dem Eintritt in den geistlichen Stand sehnst. Du sollst Dich Christus als ein vernünftiges Opfer anbieten, nicht erst Soldat und dann Rekrut, nicht erst Lehrer und dann Schüler sein. Meiner Wenigkeit und meiner bescheidenen Stellung kommt es nicht zu, andere zu beurteilen oder etwas Schiefes über die Diener der Kirchen zu sagen. Sie mögen ihre Stellung und ihren Rang einnehmen. Solltest auch Du zu diesem Amte gelangen, so kannst Du meiner Schrift an Nepotian 6 entnehmen, wie Du Dein Leben einzurichten hast. Jetzt will ich mich darüber äußern, welches die Anfangsgründe des Ordensberufes sind, wie ein Mönch sein sittliches Verhalten regeln soll, besonders ein Mönch, der sich in seiner Jugend den freien Künsten gewidmet hat, um später seinen Nacken dem Joche Christi zu beugen.
