13.
Noch etwas anderes will ich erwähnen, was ich in Ägypten gesehen habe. In einem Kloster war ein griechischer Jüngling, der durch keinerlei Abtötung, durch keine noch so harte Arbeit die Glut der Leidenschaft zum Erlöschen bringen konnte. Ihn rettete der Abt des Klosters durch folgenden Kunstgriff aus seiner gefährlichen Lage. Er gab einem ernsten Manne den Auftrag, S. 229 diesen jungen Menschen mit Schimpf- und Schmähreden zu verfolgen. Nachdem er den anderen beleidigt hatte, sollte er zuerst kommen, um sich zu beklagen. Die herbeigerufenen Zeugen äußerten sich zugunsten des Beleidigers, der andere aber begann zu weinen über die Lüge. Keiner wollte ihm, der die Wahrheit sprach, glauben. Nur der Abt nahm sich klugerweise seiner gegen die anderen an, damit der Bruder sich nicht allzu großer Traurigkeit überließ. 1 Und wie ging die Sache aus? Ein ganzes Jahr lang zog sie sich hin. Dann fragte man den Jüngling, ob er noch immer von seinen früheren Gedanken belästigt werde. „Vater“, sagte er, „ich kann kaum leben, wie sollte ich da an Unkeuschheit denken!“ Wer hätte ihm helfen können, wenn er als Einsiedler gelebt hätte?
2 Kor. 2, 7. ↩
