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S. 188 Es ist ein altbekannter Weg, den ich gehe, aber ich suche nach einem neuen Pfade. Der Stoff, den ich behandle ist abgenutzt und verbraucht, und doch möchte ich ihn mit neuem Glanz erfüllen. Ich will zwar über das gleiche Thema schreiben, aber nicht mit den gleichen Worten. Es ist dieselbe Reise, aber es sind der Wege viele, die ans Ziel führen. Oft habe ich an Witwen geschrieben, und wenn ich sie mahnte, da wählte ich viele Beispiele aus der Hl. Schrift, und die verschiedenen Blumen wand ich dann zu einem Kranz zum Lobe der Keuschheit. Heute ergeht mein Wort an Geruchia, der die göttliche Vorsehung einen Namen geben ließ, welcher prophetisch auf ihr zukünftiges Geschick hinweist. 1 Sie lebt in der Umgebung edler Gefährtinnen, ihrer Großmutter nämlich, ihrer Mutter, ihrer Tante und der in Christus bewährten Frauen. Metronia, ihre Großmutter, die vierzig Jahre im Witwenstande lebte, war eine zweite Anna, wie wir sie aus dem Evangelium als Tochter Phanuels kennen. 2 Benigna, ihre Mutter, vierzehn Jahre lang Witwe, gehört dem Chor der Jungfrauen an, dem hundertfältiger Lohn verheißen ist. Die Schwester des Celerinus, 3 des Vaters Geruchias, die das kleine Mädchen erzogen und gleich nach seiner Geburt in ihre Obhut genommen hat, entbehrt seit dreißig Jahren der tröstlichen Gemeinschaft ihres Gatten. Noch heute ist sie die Lehrmeisterin ihrer Nichte und erzieht sie nach den Grundsätzen, welche die Mutter ihr beigebracht hat.
Alle Handschriften bis auf eine haben den Namen Ageruchia (Agerochia). Trotzdem entscheidet sich Hilberg für die Lesung Geruchia (vgl. Cav. I 315). Das Wortspiel erblickt Cavallera in der Gleichung Agerochia- ἀγέρωχος, während Hilberg Geruchia mit γέρας ἔχουσα zusammenbringt. ↩
Luk. 2, 36 ff. ↩
Gr. III 249 nennt sie versehentlich auch Ageruchia. ↩
