3.
Doch gleich bei der Ausreise aus dem Hafen stoßen wir auf ein Riff, das uns daran hindert, das offene Meer zu gewinnen. Man weist hin auf die Autorität des Apostels Paulus, der in seinem Briefe an Timotheus, dort, wo er von den Witwen spricht, sagt: „Ich will, daß die jungen Witwen heiraten, Kindern das Leben geben, ihrem Haushalt vorstehen und unseren Gegnern keinen Anlaß zu Vorwürfen geben. Denn einige sind schon abgewichen hinter dem Satan her.“ 1 Da muß ich zuerst den eigentlichen Sinn dieses Gebotes klarstellen und die Stelle in ihrem ganzen Zusammenhang behandeln. So wollen wir denn dem Apostel Schritt um Schritt folgen und uns dabei in acht nehmen, daß wir auch nicht einen S. 190 Finger breit vom rechten Wege abirren. 2 Vorher hatte nämlich der Apostel gezeigt, wie eine wahre Witwe sein soll: „Sie soll eines Mannes Frau gewesen sein, die ihre Kinder gut erzogen hat, in guten Werken wohl bezeugt ist und den Bedrängten mit ihrem Vermögen Helferin war. 3 Gott soll ihre Hoffnung sein, im Gebete und Flehen soll sie verharren Tag und Nacht.“ 4 Dann schildert der Apostel das Gegenbild: „Die Witwe, welche schwelgerisch lebt, ist lebend tot.“ 5 Sofort schließt er, um seinen Schüler nach allen Regeln der Kunst gründlich zu unterrichten, die Worte an: „Jüngere Witwen aber weise ab; denn wenn sie Christus zuwider üppig werden, wollen sie heiraten und verfallen dem Urteil, weil sie die erste Treue gebrochen haben.“ 6 Denn wegen der Witwen, die Ehebruch getrieben und sich schuldig gemacht haben gegen ihren Gatten Christus (dies ist der eigentliche Sinn des griechischen Wortes καταστρηνιάσουσιν), 7 wünscht der Apostel eine zweite Ehe, weil er die zweite Ehe einem Ehebruche vorzieht. Freilich liegt hier kein Gebot vor, sondern es sollte nur ein Zugeständnis sein. 8
