17.
Antworte mir nun, in Christo geliebteste Tochter: Willst Du unter solchen Umständen an Heirat denken? Was für einen Mann willst Du Dir denn aussuchen? Einen, der im Begriffe steht, die Flucht zu ergreifen oder einen, der in den Kampf ziehen wird? Was in beiden Fällen die Folge ist, das weißt Du ja. Statt eines lustigen Polterabends werden Dir die furchtbaren und rauhen Töne der Kriegsposaune in den Ohren gellen. Die Brautjungfern möchten am Ende gar zu Klagefrauen werden. Auf welche Freuden hoffst Du noch, wenn Du die Einkünfte aus Deinen Ländereien verlierst, wenn Du siehst, wie Deine kleine Familie in Tagen feindlicher Belagerung unter Hunger und Krankheit zu leiden hat? Aber es sei fern von mir, solche Absichten bei Dir zu vermuten. Wie könnte ich so verkehrt über Dich urteilen, die Du dem Herrn Deine Seele geweiht hast? Ich habe weniger für Dich geschrieben. Der an Deine Adresse gerichtete Brief galt anderen, die weinselig, neugierig und geschwätzig in den Häusern der vornehmen Frauen aus und ein gehen, 1 deren Gott ihr Bauch und deren Ruhm in ihrer Schande ist. 2 Aus der Hl. Schrift wissen sie nichts außer den Stellen, die einer zweiten Ehe günstig sind. 3 Andere dienen ihnen zur Entschuldigung für ihr ungeregeltes Verhalten, wenn sie sehen, daß diese nicht anders handeln wie sie selbst. Es ist ihnen ein S. 214 Trost, wenn andere an den gleichen Übeln leiden wie sie. Gegen das herausfordernde Benehmen und die kühnen Behauptungen dieser Personen kannst Du Dich mit Erfolg zur Wehr setzen durch eine sinngemäße Auslegung der Lehre des Apostels. Wie Du aber Deinen Witwenstand einzurichten hast, das lies nach in der Schrift an Eustochium „Über die Bewahrung der Jungfräulichkeit“, 4 ferner in den Schriften an Furia, 5 die Schwiegertochter des einstigen Konsuls Probus, und an Salvina, 6 die Tochter Gildos, des ehemaligen Prokonsuls von Afrika. Die vorliegende Schrift aber wird Deinen Namen tragen und den Titel führen „Über die einmalige Ehe“.
