2. Wie Grippo vom Kaiser Mauricius zurückkehrte
Grippo meldete, als er vom Kaiser Mauritius zurückkehrte, folgendes: Im Jahre zuvor war er mit seinen Geführter(3) auf einem Fahrzeuge in einem afrikanischen Hafen gelandet, und sie hatten sich nach Groß-Karthago begeben(4) Als sie sich dort aufhielten und eine Anweisung des Statthalters(5) der sich dort befand, erwarteten, wie sie zum Kaiser gelangen sollten, nahm einer ihrer Diener — es war ein Knecht des Evantius, der mit Grippo ausgezogen war — einem Kaufmanne Waren fort und brachte sie in seine Herberge. Der, dem die Sachen gehörten, setzte ihm nach und forderte sie als sein Eigentum zurück, jener aber machte Schwierigkeiten, und der Streit zwischen ihnen wurde von Tag zu Tag immer heftiger, bis der Kaufmann endlich, als er den Knecht einst auf der Straße fand, ihn beim Kleide faßte und festhielt. „Nicht eher", schrie er, „werde ich dich loslassen, als bis du mir die Sachen herausgibst, die du mir mit Gewalt genommen hast." Der Knecht, der sich aus S. 92 seinen Händen befreien wollte, scheute sich nicht das Schwert zu ziehen und erschlug den Kaufmann. Darauf kehrte er in seine Herberge zurück und erzählte nicht einmal seinen Gefährten, was sich zugetragen hatte. Die Gesandten, die sich, wie erzählt, damals dort aufhielten, waren Bodigisil, der Sohn des Mummolen(1) von Soissons, Evantius, der Sohn des Dhnamius von Arles,(2) und Grippo selbst, seiner Abstammung nach ein Franke; sie waren gerade vom Mahle aufgestanden und hatten sich schlafen gelegt, um anszuruhen. Da nun dem Befehlshaber der Stadt(3) gemeldet wurde, was ihr Knecht getan hatte, sammelte er seine Soldaten und alles, was in der Stadt Waffen trug, und zog zu ihrer Herberge. Jene erhoben sich, ohne etwas Böses zu ahnen, und waren ganz verwundert, als sie sahen, was vorging. Da rief der Anführer der Scharen: „Leget eure Waffen nieder und kommet heraus, daß wir in Frieden untersuchen, wie es mit jenem Morde zuging." Als die Gesandten dies hörten, erschraken sie, denn sie wußten noch nicht, was geschehen war, und verlangten Bürgschaft, daß sie sicher ohne ihre Waffen sich zu ihnen begeben könnten. Jene schwuren darauf, was ihre Leidenschaft sie nicht halten ließ. Denn sobald Bodigisil heraustrat, durchbohrten sie ihn mit dem Schwerte, und Gleiches widerfuhr auch Evantius. Als diese nun vor der Türe der Herberge ermordet lagen, nahm Grippo seine Waffen, trat mit den Knechten, die er bei sich hatte, hervor und sprach also: „Von dem, was sich hier zugetragen hat, hatten wir keine Kunde, und doch liegen hier meine Reisegefährten, die mit mir zum Kaiser gesandt waren, vom Schwerte gefällt. Gott wird S. 93 das Unrecht, das ihr uns angetan habt, und ihren Tod durch euer Verderben rächen, denn ihr erschlagt uns, die wir ohne Schuld sind und friedlich hierher kamen. Und es wird fortan nicht mehr Friede sein zwischen unsren Königen und eurem Kaiser. Denn um des Friedens willen sind wir gekommen und um dem Reiche(1) Beistand zu gewähren. Heute rufe ich Gott zum Zeugen an, daß euer die Schuld ist, daß der Friede, den sich die Fürsten gelobt, nicht bewahrt wird". Da dieses und anderes der Art Grippo sprach, legte sich das Kriegsgetümmel der Karthager, und ein jeder kehrte nach Hause zurück. Der Statthalter begab sich aber zu Grippo und suchte ihn wegen des Borgefallenen zu besänftigen und traf Anordnungen, daß er zum Kaiser gelangen könne. Nach seiner Ankunft richtete er die Botschaft aus, um derentwillen er abgesandt war, und berichtete ihm auch von der Ermordung seiner Gefährten. Darüber wurde der Kaiser sehr ungehalten und versprach ihren Tod zu rächen, wie es König Childebert selbst bestimmen würde. Danach kehrte Grippo, vom Kaiser beschenkt, in Frieden nach Hause zurück.
