5. Wie Chuppa in das Gebiet von Tours einbrach
In diesen Tagen brach Chuppa(1) der einst König Chilperichs Marschall gewesen war, in das Gebiet der Stadt Tours ein und wollte die Herden und andre Sachen gleichwie beim Beutemachen mit sich nehmen. Da aber die Einwohner schon eine Ahnung davon gehabt hatten, sammelten sie sich in Scharen und setzten ihm nach. Sie nahmen ihm seine Beute ab und erschlugen zwei von seinen Knechten, während er selbst das nackte Leben rettete und entkam, zwei andre nahmen sie gefangen und schickten sie in Fesseln zu König Childebert. Der König befahl, sie in den Kerker zu werfen, und ließ sie befragen, wer dem Chuppa die Hand geliehen habe, daß er nicht von denen ergriffen wurde, die ihn verfolgten. Sie antworteten, dies sei auf Anstiften des Untergrafen(2) in jenem Bezirk, namens Animod, geschehen. Und der König sandte sofort ein Schreiben an den Grafen der Stadt und befahl, Animod gebunden zu ihm zu senden; wenn er sich widersetzen würde, solle er Gewalt gegen ihn brauchen und ihn selbst töten, wenn er sich der Gnade seiner Fürsten erfreuen wolle. Doch jener widersetzte sich nicht, sondern stellte Bürgen und ging, wohin er beschieden war. Dort fand er aber den Haushofmeister Flavianus(3) stellte sich mit Chuppa vor Gericht und wurde unschuldig befunden. Als er mit diesem entlassen war, kehrte er, wie man ihn geheißen, in seine Heimat zurück, nachdem er zuvor noch den Haushofmeister reich beschenkt hatte.
Chuppa brach danach abermals mit einigen seiner Leute auf, um die Tochter des Badigisil, weiland Bischofs von Le Mans(4) S. 99 zu entführen, die er zu heiraten gedachte. Um diesen Plan zur Ausführung zu bringen, fiel er mit einer Schar von Begleitern bei Nacht in den Hof von Mareuil(1) ein. Aber die Frau des Hauses, Magnatrude, die Mutter jenes Mädchens, wußte von ihm und seiner Absicht, sie widersetzte sich ihm daher mit ihren Leuten und trieb ihn mit Gewalt zurück. Viele von den Seinigen wurden hierbei verwundet, und er kehrte mit Schimpf und Schande zurück.
