27. Von denen, die Fredegunde töten ließ
Unter den Franken von Tournay erhob sich ein nicht unbedeutender Handel deshalb, weil der Sohn des einen von ihnen den Sohn eines andren, der die Schwester jenes ersteren zur Ehe genommen hatte, oftmals im Zorne schalt, daß er sein Eheweib vernachlässige und hinter Dirnen herlaufe. Da dies aber nichts fruchtete, wuchs der Hader endlich derart, daß der Jüngling über seinen Schwager herfiel und ihn mit Hilfe seiner Anhänger tötete, darauf aber von denen erschlagen wurde, die jenen begleitet hatten, und von beiden Seiten blieb niemand übrig mit Ausnahme eines einzigen, der keinen Gegner mehr fand. Infolgedessen befehdeten sich die Väter untereinander, obwohl die Königin Fredegunde sie oftmals ermahnte, von der Feindschaft abzulassen und sich zu vertragen, damit nicht aus diesem hartnäckigen Streite noch größeres Ärgernis erwüchse Da sie aber mit versöhnlichen Worten sie nicht beruhigen konnte, räumte sie endlich beide mit dem Beile aus dem Wege. Sie lud nämlich viele Männer zu einem Gelage ein und hieß diese drei1 S. 144 sich auf eine Bank niedersetzen. Und als nun das Mahl bis zu der einbrechenden Nacht sich ausdehnte, blieb man noch nach der Sitte der Franken, als der Tisch bereits abgetragen war, auf den Bänken sitzen, wie man vorher gesessen hatte. So zechte man weiter und trank so lange, daß auch ihre Diener endlich im Rausche in allen Ecken und Winkeln des Hauses, wo gerade ein jeder hinsank, einschliefen. Da traten drei Männer, die von Fredegunde dazu beordert waren, mit Beilen von hinten an jene drei Franken heran, und während sie miteinander sprachen, holten diese Leute mit ihren Händen wie zu einem einzigen Schlage aus und hieben die Männer nieder. Darauf ging man vom Mahle. Die Namen dieser Männer waren: Chariald, Leodovald und Walden. Als dies ihren Verwandten gemeldet wurde, fingen sie an auf Fredegunde scharfe Wacht zu halten und schickten Boten an König Childebert, daß er sie greifen und töten ließe. Auch wurde wegen dieser Sache das Volk in der Champagne aufgeboten; da jener aber zauderte, entkam sie mit Hilfe der Ihrigen und begab sich nach einem andren Ort.
Wer der dritte war, ist nicht genau angegeben, doch kann nur jener eine gemeint sein, der bei dem ersten Gemetzel übrig geblieben war. ↩
