14. Denen, welche sich Mühe geben, wird Gottes Hilfe zu Theil.
Nicht sage ich Dieß, um den menschlichen Bemühungen allen Werth abzusprechen und so Jemanden von dem Eifer und dem Vorsatze mühevoller Anstrengung abziehen zu wollen; sondern standhaft nicht bei meiner, sondern bei der Väter Ansicht beharrend behaupte ich, daß die Vollkommenheit ohne diese menschlichen Anstrengungen sich überhaupt gar nicht erreichen lasse, daß sie aber durch dieselbe allein ohne Gottes Gnade von Niemandem zu Stande gebracht werden könne. Denn wie wir behaupten, daß menschliche Bemühungen ohne Gottes Gnade, durch sich selbst, die Vollkommenheit nicht erreichen könnten, so erklären wir auch, daß nur Jenen, die sich anstrengen und abmühen, die Erbarmung und Gnade Gottes zu Theil werde und, um mit dem Apostel zu reden, den Wollenden und Laufenden geschenkt werde nach jenem Worte des achtundachtzigsten Psalmes, das Gott in den Mund gelegt wird: „Geliehen habe ich Beistand einem Helden und erhöhet einen Erkorenen aus meinem Volke.“ Auch sagen wir nach den Worten des Erlösers,1 S. 252 daß gegeben werde den Bittenden, aufgethan werde den Anklopfenden, gefunden werde von den Suchenden; aber unser Bitten, Suchen und Anklopfen hat kein Verdienst, wenn nicht die Barmherzigkeit Gottes Das gibt, um was wir bitten, und öffnet, wo wir anklopfen, und Das, was wir suchen, uns auch finden läßt. Denn er ist bereit, Dieß alles zu gewähren, wenn ihm nur von uns die Gelegenheit des guten Willens geboten wird. Denn mehr als wir erwartet und ersehnt er unsere Vervollkommnung und Heiligung. Und so sehr war der fromme David davon überzeugt, daß ein Erfolg seines Wirkens und seiner Bemühung durch seine eigene Anstrengung nicht erzielt werden könne, daß er von dem Herrn die Leitung seiner Werke in wiederholtem Gebet mit den Worten begehrte:2 „Und unserer Hände Werk leite über uns, und das Werk unserer Hände leite;“ und: 3 „Bekräftige das, o Gott, was du in uns gewirkt hast!“
