17.
Mein teuerster Nepotian, nachdem das Büchlein über die Jungfräulichkeit, das ich der heiligen Eustochium nach Rom geschickt habe, 1 gesteinigt worden ist hast Du mich zehn Jahre später gezwungen, von Bethlehem aus wieder meinen Mund aufzutun und mich den Vorwürfen aller auszusetzen. Entweder durfte ich gar nichts schreiben, um mich nicht der Beurteilung der Menschen zu überantworten — aber das hast Du verhindert —, oder ich mußte mir schon über dem Schreiben darüber klar sein, daß sich die Geschosse aller Übelgesinnten gegen mich wenden werden. Diese bitte ich, sich zu beruhigen und Schmähungen zu unterlassen. Ich habe an sie nicht als Feind, sondern als Freund geschrieben. Ich habe mich nicht zum Richter gesetzt über die, welche sündigten, sondern ich habe nur vor der Sünde gewarnt. Nicht nur gegen sie, sondern auch gegen mich bin ich ein strenger Richter gewesen. Ich wollte zwar den Splitter aus dem Auge des Nächsten entfernen, aber ich habe zuvor auch meinen eigenen Balken herausgeschafft. 2 Niemanden habe ich verletzt, wenigstens habe ich in meiner Darlegung auf niemand angespielt. Meine Ausführungen beziehen sich auf keine bestimmte Person. Es ist nur eine allgemein gehaltene Erörterung über gewisse Mißstände. Wer mir zürnen will, macht als erster von sich aus darauf aufmerksam, daß er sich mit Recht getroffen fühlt. 3
