12. Auf das Klopfen an die Thüre unterlassen die Mönche jegliche Arbeit und treten schnell zu dem Ankommenden hin.
[Forts. v. S. 67 ] Wenn die Mönche, in ihren Zellen gleichmäßig eifrig mit Arbeit und Betrachtung beschäftigt, das Klopfen an die Thüre und an die verschiedenen Zellen vernehmen, um zum Gebet oder zur Arbeit gerufen zu werden, so eilt um die Wette Jeder aus seiner Zelle. Ja, ist Jemand mit Abschreiben beschäftigt, so wagt er nicht den Buchstaben zu vollenden, über dessen Anfang man ihn traf, sondern in demselben Augenblicke, in welchem das Klopfen sein Ohr erreichte, springt er mit der größten Behendigkeit auf und säumt nicht einmal so lange, um den begonnenen Punkt zu vollenden, sondern läßt die angefangenen Schriftzüge unvollendet. Denn nicht so sehr ist es der Gewinn und Vortheil seiner Arbeit, worauf er bedacht ist, als die Tugend des Gehorsams, die er mit allem Eifer zu üben bestrebt ist. Diese Tugend ziehen die Mönche nicht nur der Handarbeit oder Lektüre oder der ruhigen Stille der Zelle, sondern auch allen anderen Tugenden so sehr vor, daß sie derselben Alles nachsetzen zu müssen glauben und jeglichen Verlust zu erleiden sich gefallen lassen, wenn sie sich nur bewußt sind, dieses Gut in keinem Punkte verletzt zu haben.
