14. Trotz des aus der Handarbeit gewonnenen Geldes wagt doch Niemand die kärgliche Genügsamkeit der Regel zu überschreiten.
Obgleich jeder Mönch aus seiner eigenen mühevollen Arbeit täglich dem Kloster solche Einkünfte zuwendet, daß es davon nicht nur die Ausgaben für den kärglichen Unterhalt der Brüder bestreiten, sondern auch den Bedürfnissen vieler Anderen reichlich abhelfen kann, so regt sich doch in Keinem die Eitelkeit, und Keiner schmeichelt sich mit dem so großen, mühevoll aus seiner Arbeit errungenen Gewinn; vielmehr beansprucht jeder nur zwei kleine Brode, die man dort für höchstens drei Denare verkauft. Bei ihnen — ich schäme mich fast, es zu sagen, da es, wie wir nur zu gut wissen, in unsern Klöstern leider geschieht, — bei ihnen wird von Keinem eine Arbeit für eigenen Gewinn, ich will nicht sagen in Wirklichkeit, sondern nicht einmal in Gedanken gesucht. — Wohl hält jeder Mönch das ganze Vermögen des Klosters für sein Eigenthum und verwendet, wie ein Eigenthümer, auf alle Dinge S. 69 alle mögliche Sorgfalt; allein um die Tugend der freiwilligen Armuth zu bewahren, die er bis an sein Ende vollkommen und unverletzt zu beobachten beflissen ist, erachtet er sich selbst gegen Alles dermaßen fremd und abgeneigt, daß er wie ein fremder Bewohner dieser Welt auftritt und sich eher für einen Zögling und Diener des Klosters hält, als sich zum Herrn über irgend eine Sache aufwirft.
