25. Abt Johannes wirft auf seines Oberen Befehl das einzige Oelgefäß weg.
[Forts. v. S. 79 ] In der Schule derartiger Übungen täglich gebildet machte der Jüngling in der Tugend der Folgsamkeit große Fortschritte, die Gabe der Demuth umstrahlte ihn mit wunderbarem Glanze und der liebliche Duft seines Gehorsams verbreitete sich in allen Klöstern. Als nun einige Brüder zum Vorsteher kamen und voll Verwunderung über dessen gerühmte Unterwürfigkeit sich äusserten, rief derselbe, theils um Johannes zu prüfen, theils um jene zu erbauen, Diesen plötzlich herbei, nahm das Oelfläschchen, aus dem allein in der Wüste zu ihrem und der Gäste Gebrauch die feine, fette Flüssigkeit gegossen wurde, und sprach zu ihm: „Geh’ hinauf und wirf Das durch’s Fenster hinab!“ Johannes eilte unverzüglich auf das obere Stockwerk und warf das Fläschchen durch das Fenster zur Erde, daß es zerbrach. Nicht zögerte er, nicht dachte er nach über den unsinnigen Befehl, nicht über die tägliche Noth oder die vorkommenden Krankheiten, nicht über die beschränkten und schwierigen Verhältnisse in der armen Einöde, in der man trotz hinreichenden Geldes das nun zerbrochene Geräth weder kaufen noch wiederherstellen konnte.
